Das non seguitur traditionellen Denkens: Ärztin, Führungskraft, ökonomisch-kompetent, Mutter, zufrieden.

Ärzte und ökonomisches Denken? Frauen in Führungspositionen im ärztlichen Bereich? Dazu noch Mutter, vielleicht auch noch alleinerziehend und zufrieden? Da ist ja die eierlegende Wollmilchsau eher zu erwarten.

Im gesellschaftlichen Bewusstsein ist mit Sicherheit die berufstätige Frau, noch dazu mit Karriere, eine Frau ohne Kinder. Kompetent ja, aber eben nur auf einem Gebiet, höchstens noch auf einem weiteren Feld, entweder ökonomisch oder als Mutter. Aber in allen Bereichen.

ärztin iStock_000009504484XSmall Auch im Jahr 2011 ist dieses Denken anzutreffen und wird durch Statistiken, die Frauen eher traditionelle Wege der Lebensgestaltung zuweisen, anscheinend immer wieder belegt. Unter welchen soziokulturellen Aspekten diese Daten erfasst wurden und diese Daten möglicherweise mit Gruppendruck, gesellschaftlicher Entmutigung und auch fehlender Erziehung zur Ich-Stärke zu tun haben, ist Gegenstand der laufenden gesellschaftlichen Diskussion.

Ebenso findet sich diese entmutigende Datenlage bis heute auch im medizinischen Bereich. Die Zahl weiblicher Medizinstudenten steigt zwar kontinuierlich an, der damit zu erwartende parallele Anstieg von weiblichen Identifikationsfiguren in medizinischen Leitungsfunktionen bleibt jedoch aus. Trotzdem regen sich zarte Pflänzchen der Hoffnung. Und so finden sich im medizinisch-akademischen Bereich mitunter auch ärztliche Direktorinnen und Professorinnen, die Lehrgänge im universitären Bereich aufbauen (z.B. seit 2010 Gendermedizin) oder auch den universitären Forschungsbetrieb auf einem bestimmten Fachgebiet leiten (11 leitende Professorinnen, bei insgesamt 49 Kliniken/Instituten/Zentren an der medizinischen Universität Wien).

Auch mein Weg zur Führungskraft war mit Hürden gepflastert. Es ist mir daher im Sinne des Netzwerkens ein besonderes Anliegen, Ihnen meine Erfahrungen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten vorzustellen, um alle Frauen,

beim Anstreben einer Führungsposition egal ob im medizinischen, im öffentlichen oder privaten unternehmerischen Bereich, zu unterstützen.

Götter in weiß – ökonomisch unantastbar?
Ein besonderes Bedürfnis ist es mir, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Ärzte im Allgemeinen sich entweder wenig Sorgen um wirtschaftliche Aspekte machen müssen oder auch wenig Kenntnisse benötigen, um wirtschaftlich erfolgreich bestehen zu können.

Dies ist im niedergelassenen Bereich, in dem es Ordinationen, sei es Einzel- oder Privatordinationen oder Gemeinschaftspraxen zu führen gilt, keinesfalls so. Bei den niedergelassenen ÄrztenInnen sind es die Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem sowie die oftmals schwer kalkulierbaren Abrechnungsmodalitäten gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen, die zur Insolvenz führen. Und diese steigen in den letzten zwei Jahren laut Daten aus Deutschland sprunghaft an. Mit Kind und Kegel ein derartiges wirtschaftliches Risiko auf sich zu nehmen, setzt ein gutes Einschätzen der eigenen Leistungskraft, die Fähigkeit zur Abgrenzung gegenüber den Anforderungen, ein zumindest gesundes wirtschaftliches Verständnis gepaart mit einem Netzwerk an guten Steuer-, Unternehmens- und Rechtsberatern und nicht zuletzt eine enorme Hingabe an die ärztliche Tätigkeit voraus.

Auch im öffentlichen Dienst ist „frau“ ersetzbar, egal ob mit befristetem oder unbefristetem Vertrag. Letztendlich schützen einen nur eine gute Planung, eine richtige Einschätzung der Vorgesetzten und ein realistischer Blick auf die Erwartungen, die in einen gesetzt wurden.

Ingredienzien für das Umschiffen von Hindernissen
Zweifelsohne gehören wie in allen Bereichen ein hoher Einsatzwille und klare berufliche Zielsetzungen zu den Grundvoraussetzungen. Gerade im ärztlichen Bereich sind kommunikative Fähigkeiten, sei es mit PatientInnen oder den MitarbeiterInnen genauso zu forderndes (und ein zu erlernendes) Handwerkszeug, wie es auch die Fähigkeit ist, das Wohl und die Balance in der Familie aufrecht zu erhalten.

Kind Insbesondere bei Kinderwunsch ist es Voraussetzung, mit dem Partner/der Partnerin vorab eine bestmögliche Lösung sowohl im ideellen als auch im ökonomischen Bereich (da die Kinderbetreuung heutzutage eine sehr kostenintensive Investition darstellt) zu besprechen. Nicht jeder Partner ist willig oder ist es ihm möglich, eine Väterkarenz anzubieten. Als Alleinerzieherin ist die Kinderbetreuung nicht nur eine Frage der finanziellen Kraft sondern stellt auch eine hohe Anforderung an die Koordinationsfähigkeit gepaart mit beträchtlicher Zeitinvestition, um die bestmöglichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu finden, sie zu halten und aufeinander abzustimmen.

Vorab und introspektiv geklärt sein muss, ob „frau“ davon überzeugt ist, dass es gelingen wird, eine erfüllte Mutterschaft auch dann zu haben, wenn sie nicht Vollzeitmutter sein wird. Zumeist sind die Organisationshürden zu bewältigen, die psychologischen Fragen müssen jedoch vor der Entscheidung Kind und Karriere in Ruhe und absoluter Klarheit beantwortet sein. Zeit zu haben, um auch wirklich den Kindern trotz kurzer Anwesenheit ein guter Elternteil zu sein bedeutet, auch die Arbeit loslassen zu können – dies ist nicht immer einfach.

Fragen wie:

  • Gibt es einen Betriebskindergarten?
  • Wer kann helfen, wenn die Kinder erkrankt sind, jetzt, in 3, in 5 Jahren?
  • Zu wie vielen Abstrichen in meinem beruflichen Leben wäre ich bereit, wenn mein(e) Kind(er) chronisch erkrankt(en) oder Schulschwierigkeiten hat(ben), die einen erhöhten Betreuungsbedarf meinerseits benötigen?

sind zu lösen.

Auch die Frage nach dem Umgang mit Belastung unmittelbar nach dem Wiedereintritt in das volle Arbeitsleben harrt einer Antwort. So sind z.B. der Tag-Nacht-Rhythmus von Kindern und Eltern oft grob unterschiedlich und fordern ihren Tribut.

Die Erfahrung auf der Führungsebene mit dem öffentlichen Dienst im Umgang mit Kinderwunsch und Karriere sind aus meiner Sicht durchaus gut, wobei natürlich die lokale Situation und insbesondere die Einstellung des unmittelbar Vorgesetzten einen wesentlichen Effekt auf den Erfolg oder Nichterfolg einer Karriereplanung haben. Die gesetzlichen Grundlagen sind jedoch gegeben und bei klarer Vorausplanung ist so wie in meinem Fall eine Abteilungsleitung sowie die Führung von 35 MitarbeiterInnen in einem Schwerpunktkrankenhaus möglich.

Als Ziel die Quadratur des Kreises – der sichere Weg ins burn out …
Warnen möchte ich vor der Quadratur des Kreises, es sind auch Abstriche zu machen. Kinder und Karriere erschweren das Netzwerken. Es ist nicht selbstverständlich, weggehen zu können, immer ausreichend lang in Gruppensituationen Freundschaften zu pflegen und auch hinsichtlich der Flexibilität der Einsatzorte müssen Abstriche gemacht werden. Die Arbeit in sich sollte sinnstiftend sein, um diese Abstriche vor allem im sozialen Leben und bei potentiell erfüllenden Nebeninteressen (Hobbys) kompensieren zu können.

weg … und Wege heraus
Die Fähigkeit zu delegieren, sei es im beruflichen wie auch im privaten Bereich, das Vertrauen in seine MitarbeiterInnen mit gezielter Förderung derselben gepaart mit Umsetzungsstärke zählen zu den Attributen einer erfolgreichen Führungskraft ebenso wie das bleibende wache Interesse an ihrem Beruf und Freude an Kreativität.

Dies gilt auch für den Aufbau einer Ordination. Da dies einen enormen finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeutet, müssen so früh wie möglich klare Zielvorstellungen entwickelt werden.

In meinem Fall ist das Leitthema meiner Arbeit Tabus im medizinischen Bereich anzusprechen und eine Brücke der Kommunikation zu finden. Daher habe ich meine Schwerpunkte als Fachärztin für Physikalische Medizin von Beginn meiner Universitätskarriere an in die Bereiche Beckenbodenmuskelreedukation, Schmerztherapie, sowie Sexualmedizin gesetzt. Die Herausforderungen, denen ich begegnet bin, das einmal mehr Aufstehen als Hinfallen im metaphorischen Sinn im beruflichen und privaten Bereich, sowie kontinuierliche fachliche Aus- und Fortbildung ermöglichen es mir, viele Fragen, die letztendlich die Komplexheit von Frauenleben berühren, in der Ordination adäquat beratend zu beantworten und gegebenenfalls auch im Netzwerk mit vielen KollegInnen diesen Patientinnen eine zielorientierte individuelle Therapie anzubieten.

Eine Ordination muss auch wirtschaftlich geführt werden. Ärzte sind daher genötigt, nicht nur Einnahmen- und Ausgabenrechnung vorzulegen. Auch Mitarbeitereinsatzplanung, Telefonkommunikation, Waren- und Anlagenwirtschaft, Prognoseberechnungen für die Ordination und der laufende Umgang mit Gebietskörperschaften, sei es Ärztekammer oder Krankenkassen, sind ständig zu bewältigende Anforderungen, denen es sich zu stellen gilt.

Hilfreich sind eine 5-Jahresplanung und jährliche Kurskorrekturen in Zusammenschau mit den Gesamtbedingungen des eigenen Lebens und unter Berücksichtigung der eigenen Grenzen und Kräfte. Dann kann das Nein sagen ohne schlechtes Gewissen erfolgen, eine Fähigkeit die viele Frauen sich erst erarbeiten müssen.

Die neuen 3 Ks eines Frauenlebens: Karriere, Kinder, Kompetenz
Frauenleben haben an Komplexheit zugenommen. Mit dem Gleichziehen im wirtschaftlichen Leben müssen wir die Fähigkeit zur Kommunikation und zum Netzwerken noch weiter ausbauen, wie auch auf unsere eigene innere Stimme gut hören lernen, sowie respektvoll mit den eigenen Grenzen der Belastbarkeit umgehen. Dank der vielen feministischen Vorreiterinnen und der auf sozialpartnerschaftlichen Basis erarbeiteten Gesetzgebung zu Themen der Karenz, Fortbildung, Arbeitseinsatzzeiten, Kündigungsschutz etc. ist die gesetzliche Basis in Österreich jedoch bereits ausreichend gut, um Karriere und Kinder zu einem harmonischen Ganzen zusammen zu führen.

Prima Dr. Eva Maria Uher

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Landesklinikum Weinviertel Mistelbach – Gänserndorf
Prima Dr. Eva Maria Uher
Leiterin des Institutes für physikalische und rehabilitative Medizin sowie

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Ordination Beckenboden im Zentrum,

Neustiftgasse 64
1070 Wien
T + 43 1 523 47 65
E e.uher@beckenboden-im-zentrum.at
W www.beckenboden-im-zentrum.at
Mutter von 2 Kindern

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Dieser Artikel wurde verfasst am Donnerstag, Juni 9th, 2011 um 17:49.
Kategorie: Coverstories.

 

2 Comments, Kommentar oder Ping

  1. Danke für ihren Bericht, ich hoffe, sie helfen auch im Alltag den Frauen sich etwas zu trauen,
    Es bedürfte eine gemeinsame Stärke, um bei Genderfragen Gehör zu finden, aber so wenige sind mutig, leider

    lg

    margit washington

  2. All people deserve wealthy life time and mortgage loans or commercial loan will make it better. Because people’s freedom is based on money state.

Artikel “Karriere und Kinder – mit Organisationstalent im öffentlichen Dienst eine überwindbare Hürde"”

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