Wer kennt es nicht, das Kinderlied: “Hänschen klein, ging allein…” Sieben Jahre später – nach einer abgeschlossenen Ausbildung, macht sich nun unser Hans mit seinem Lohn für die jahrelange harte Arbeit – einem Riesenkumpen Gold – wieder auf den Heimweg zur Mutter.
| Die Hans-im-Glück-Frage: Was bedeutet Erfolg? [Märchen im Original lesen] |
Erfolg kann ganz schön schwer werden
Wie er da so diesen Goldklumpen schleppt, beneidet er einen vorbeikommenden Reitersmann, der – so scheint es ihm – es doch viel besser hat. Er sitzt bequem auf seinem Pferd, die Schuhe nützen sich nicht ab, trotzdem kommt er zügig voran und keine schwere Last drückt auf seinen Rücken. Man kommt ins Gespräch und schlussendlich ins Geschäft: Pferd gegen Gold. Beide sind hochzufrieden. Und welcheR UnternehmerIn kennt das nicht. Manchmal wird einem der Erfolg auch zu viel. Rund um die Uhr arbeiten – ständige Herausforderungen, da drückt schon mal der (gesundheitliche) Schuh oder lasten Sorgen auf den Schultern. Wer wünscht sich da nicht ein flottes Pferdchen, mit dem es leichter voran geht.
Hoppe, hoppe Reiter – wenn er fällt…
Unser Hans freut sich des Lebens und sitzt zufrieden auf seiner Neuerwerbung. Doch nach einer Zeit wird im der Pferdeschritt doch zu langsam und er fordert ein rascheres Tempo. Ja, kein Problem, das Pferd gibt Gas – und Hans liegt im Graben. Käme nicht gerade ein Bauersmann mit seiner Kuh des Weges, das Pferde wäre über alle Berge. Hans rappelt sich auf und ist recht unzufrieden über die Entwicklung der Dinge. Da scheint ihm der Umgang mit einer Kuh doch um einiges erfreulicher. Keine Gefahr, dass man in den Graben fällt und überdies noch jederzeit nahrhafte Milch, Butter und Käse, wenn einen Hunger oder Durst quält. Der Bauer wittert seine Chance die olle Kuh gegen ein rassiges Pferd zu tauschen und so wird man sich handelseinig. Der Bauer reitet eilig davon und Hans nimmt seine Kuh am Strick und zieht hocherfreut weiter heimwärts.
Manches Mal überschlagen sich die Ereignisse und man wird davon aus der Bahn geworfen. Ein Kunde steigt unerwartet aus, die Wirtschaftslage ändert sich plötzlich, teures Equipment geht von einem Moment zum anderen in die Brüche. Und schon liegt man erschrocken im (finanziellen) Graben und versucht sich mühsam wieder aufzurappeln. Da mag schon der Wunsch aufkommen es mit einem etwas ruhigeren, solideren Konzept weitergehen zu lassen. An cleveren Unternehmen, die damit ihre Geschäfte machen, ist niemals Mangel.
Nachher ist man immer schlauer
Selbstsicher verdrückt Hans nun sein letztes Essen und trinkt für sein letztes Geld noch ordentlich, hat er doch jetzt seine Kuh als Vorrat. Als er am nächsten Tag bei drückender Hitze Durst bekommt, versucht er seine Kuh zu melken. Doch er hat damit wenig Erfolg und die von ihm ungeschickt malträtierte Kuh gibt ihm auch noch einen ungeduldigen Tritt an den Kopf. Der wirft in benommen zu Boden und wie er da so liegt und seine Sinne wieder sammelt, kommt ein Metzger mit einem Ferkel vorbei. Er hilft ihm auf, gibt ihm zu trinken und erklärt dem ahnungslosen Hans, dass man von einer alten Kuh keine Milch mehr erwarten kann. Die taugt nur noch zum ziehen von Karren oder zum Schlachten. Hans denkt sich: “Na gut, Schlachtfleisch ist ja auch nicht schlecht.” Nur ist Rindfleisch nicht so nach seinem Geschmack. Ein saftiges Ferkel wäre da schon was anderes. Wir sind nicht überrascht, dass der Metzger mit der Kuh und Hans mit dem Ferkel auseinander gehen.
So manches Geschäft erscheint vorher verlockend und stellt sich im Nachhinein als Fehlentscheidung heraus. Sei es weil man die eigenen Kompetenzen überschätzt hat, den Arbeitsaufwand unterschätzt oder vielleicht sogar schlecht beraten oder irregeführt wurde. Da kann schnell aus der massigen Kuh ein kleines Ferkelchen werden.
Trau nicht jedem Gerücht
Als Hans so mit seinem Ferkel wandert, trifft er einen Burschen, der eine fette Gans zu einer Tauffeier bringt. Er erzählt von seinen Erlebnissen und seinen vorteilhaften Tauschgeschäften und wie gut er es mit dem Ferkel getroffen hat. Der gerissen Bursche merkt, dass hier nicht so leicht ein Tauschgeschäft zustande kommen wird und erzählt eine Geschichte, dass wohl genau so ein Ferkel im nächsten Dorf gestohlen wurde und man schon auf der Suche nach dem Dieb sei. Dem Hans wird ganz bang und er bittet den Burschen um Hilfe – er solle doch die Gans gegen das Ferkel tauschen. Gesagt getan! Im Weitergehen überlegt er sich noch, dass eine fette Gans ja auch ihre Vorzüge hat: Ein saftiger Braten, würziges Gänsefett auf’s Brot und reichlich Daunen für ein weiches Kissen.
Es zahlt sich meistens aus, mehr als eine Meinung einzuholen, wenn man auf Hindernisse stößt oder mehr als ein Anbot in Erwägung zu ziehen. Wer einfach jeder Geschichte blind vertraut, kann am Ende draufzahlen. Da nützt es auch nichts, sich das Ergebnis noch ein wenig schön zu reden. Hier machen sich gute Netzwerke bezahlt, in denen man Rat und Unterstützung erhält. Zu guter Letzt lässt sich der naive Hans dann auch noch von einem Scherenschleifer weismachen, mit einem Schleifstein ließe sich jederzeit leicht Geld machen. Es klingt überzeugend und plausibel und so tauscht er für seine Gans einen alten Wetzstein ein und zieht zusätzlich mit einem großen Stein als Schleifunterlage von dannen.
Erfolg ist das, was ich dafür halte
Unser Hans, der sich vom Goldklumpen bis auf zwei Steine heruntergehandelt hat, denkt, dass er dabei immer erfolgreich war und er doch ein rechter Hans im Glück sei. Wie er weitergeht – ohne Essen und Geld – wünscht er sich, er müsste nicht die schweren Steine schleppen. Er ist hungrig und durstig und kommt nur mühsam voran, bis er endlich zu einem Brunnen kommt. Vorsichtig legt er die beiden Steine auf den Brunnenrand, um seinen Durst zu stillen und unversehens fallen sie in die Tiefe. Da wirft Hans sich auf die Knie und dankt mit Tränen in den Augen dafür, von der Last befreit zu sein. Er fühlt sich als wahrlich von Gott gesegnet und leichten Fußes springt er auf und heim zur Mutter.
Wer hat sich im Lauf der Geschichte nicht mitleidig gedacht, dass dieser Hans wohl ein rechter Einfaltspinsel ist. Doch zuletzt ist er es, der glücklich und froh ist. Der nicht um verlorenes Gold trauert oder wegen falscher Entscheidungen hadert. Er hat seinen Weg gewählt und urteilt nach seinen eigenen Kriterien über Erfolg und Zufriedenheit. Ein echtes Vorbild ;)
In diesem Sinne: Viel Erfolg!
Claudia Salloker
Claudia Salloker
Training & Beratung für Office, Life & Fun
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Artikel “Es ist nicht alles Gold, was glänzt…”