So begann mein Weg von der Ahnungslosen zur überzeugten Twitterin: Nichtsahnend wanderte ich vor ca. 2 Jahren wieder mal durchs Internet und plötzlich stolperte ich drüber: Twitter! Angeblich DER Hype, las ich da. DAS zukunftsweisende Networking-Tool, las ich da. “Hä?” – dachte ich mir.
Twitter-Phase 1: Hä?
Heutzutage hat man ja weniger Zeit als früher – muss bestimmt daran liegen, dass sich die Erde schneller dreht, weil der Tag hat auf keinen Fall immer noch 24 Stunden…. Zumindest kommt es mir subjektiv oft so vor. Daher blieb es damals beim “Hä?” Weil Zeit, mich damit näher zu beschäftigen, hatte ich gerade keine. Der tiefere Sinn des Ganzen hat sich mir natürlich im Vorbeigehen nicht sofort erschlossen. Also dachte ich nicht weiter dran. Und so verging einige Zeit, in der ich es immer wieder irgendwo hörte oder las. Immer noch dachte ich mir “Hä?” Doch langsam wollte ich es schon genauer wissen – man will ja immerhin am Puls der Zeit bleiben. Und wenn es nun wirklich DAS Tool der Moderne sein soll, sollte man schon wissen, worum es sich da dreht.
Twitter-Phase 2: Was ist los?
Was also tut die moderne Frau, wenn sie etwas wissen will? Sie googelt. Dabei kam nicht viel heraus. Natürlich gab es zigtausend Einträge zum Thema, aber “Das lässt ich nicht so recht erklären. Das muss man einfach erleben.” war so der generelle Tenor zum Thema. “Was ist los?” dachte ich mir. Ein trendiges Tool, von dem keiner erklären kann wozu es eigentlich gut ist? Neugierig ging ich also auf die Twitter-Seite und fand – NICHTS. Die Startseite gab absolut nichts her (damals noch weniger als heute). Um mehr zu sehen musste man sich registrieren. Was ich nicht so gerne mache, wenn ich gar nicht weiß was das alles soll. Zumindest fand ich aber heraus, dass man wohl nur 140 Zeichen Platz hat, um sich mitzuteilen. Eine Einschränkung, die ich persönlich als nicht allzu verlockend empfand. Für ein Kommunikations- und Networking-Tool (soweit war ich inzwischen schon in meiner Erkenntnis!) schien mir das nicht übermäßig sinnvoll zu sein.
Twitter-Phase 3: Das braucht doch keiner.
Es soll also bei Twitter darum gehen sich besser zu vernetzen. Ich war ja schon bei XING, also wozu noch eine Netzwerk-Plattform die Zeit kostet. Es soll darum gehen Informationen zu verbreiten, aber ich hatte ja schon Blog und Newsletter, wozu also einen zusätzlichen Micro-Blog, das Aufwand macht. Meine Meinung zu Twitter war also: “Das braucht doch keiner.” Und somit wurde es abgehakt. Nun gibt es aber Sachen, die hakt man zwar ab, aber man hängt weiter am Haken und das ist wie ein Dorn im Fleisch. Es nervt trotzdem immer weiter. Twitter hier und Twitter dort, immer öfter stieß ich mit der Nase drauf und immer noch war es angeblich DER Hype mit rasant steigenden Mitgliederzahlen. Immer noch konnte es mir niemand so recht erklären. Sowas kann ich aber nicht haben. Jetzt wollte ich es erst recht wissen.
Twitter-Phase 4: Der eigene Twitter-Account.
Nachdem ich ja inzwischen schon wusste, dass man “es selbst erleben” muss, schritt ich ca. 1 Jahr nach dem anfänglichen “Hä?” zur Tat und registrierte meinen ersten Twitternamen. “Juhu”, dachte ich mir, “jetzt wird endlich alles klar”. Naja, ich greife vor, aber – leider wurde es das nicht. Ich hatte also die Anmeldung in 2 Minuten erledigt und, nach dem Aktivieren mit dem Bestätigungslink, mein eigenes Twitterprofil in weiteren 5 Minuten eingerichtet. War ja nicht viel zu tun: Name, Zeitzone, Ort, Biografie in weniger als 160 Zeichen, Designvorlage wählen – fertig. Zur Sicherheit mal die “Tweets” geschützt, d.h. nur für Leute sichtbar, die man dazu einlädt – man weiß ja noch nicht worum es geht und was diese Tweets eigentlich sind. “Hallo Welt! Eingetwittert und online – schau’ ma mal was passiert!” So mein allererster Tweet unter http://twitter.com/Salloker am 21.4.2009 um 12:30 Uhr.
Twitter-Phase 5: Und nix passiert.
Dann schrieb ich mal einen Termin rein, oder eine persönliche Mitteilung – huch, wie gewagt. In 6 Monaten brachte ich es auf genau 36 Tweets. Und kapierte immer noch nicht was das alles soll. Jedem der mich fragte, sagte ich, dass ich nicht verstehe wozu Twitter gut sein soll. Der Nutzen des Ganzen war mir auch nach einem halben Jahr völlig schleierhaft. Was mich zunehmend aufregte, wie ich zugeben muss. Denn, dass das DER Hype sei und DAS Tool der Zukunft las ich immer noch überall. Jetzt war ich schon soweit die Tweet-Einstellung von “geschützt” auf öffentlich zu verändern, weil – es tut sich sowieso nix, also was kann es schaden.
Twitter-Phase 6: Es wird interaktiv.
Immerhin gab es danach gelegentlich einen “Retweet”, d.h. man übernimmt den Tweet anderer Twitterer in den eigenen Stream (=Informationsfluss), oder eine “Reply”, d.h. jemand anderes kommentiert einen Tweet. Ich hatte den einen oder anderen “Follower”, also Leute, die meine Tweets lesen und quasi abonniert haben. Insgesamt schien es mir zunehmend mühsam, alle Netzwerke zu bedienen. Statusmeldungen in XING, LinkedIn und Facebook, Blogbeiträge, usw. Das artete in Stress aus. Wozu also noch ein Stressfaktor mehr und auch noch Twitter mit Meldungen füllen? So vergingen weitere 2 Monate mit wachsender Unzufriedenheit. Wie schon erwähnt: Sowas kann ich nicht haben. Jetzt wollte ich es WIRKLICH genau wissen.
Twitter-Phase 7: Die Erleuchtung.
Um es genau zu wissen begann ich mit einer intensiven Recherche. Ich las in Foren, ich studierte Anleitungen, ich kämpfte mich durch Blogbeiträge und Artikel. Und langsam dämmerte es. Es geht in erster Linie um Informationen! Nicht so sehr um persönliche Vernetzung, wie ich immer dachte. Ich hatte ja schon einige RSS-Feeds in meinem Newsreader eingerichtet. Aber das war eine ziemliche dröge Einbahnstraße. Irgendwo postet jemand etwas Interessantes und wenn ich Glück habe, habe ich das zufällig abonniert. Wenn nicht, erfahre ich vermutlich nichts davon, oder erst viel später, wenn es mir jemand erzählt oder sich die Mühe macht und per Mail den Link oder die Anlage weiterleitet. Aber bei Twitter habe ich die Möglichkeit jede Information mit einem Klick weiterzuleiten – an meine Follower und jeden, der das Thema sucht. Und ich kann sogar die Information mit einem Klick kommentieren. Wie genial ist das denn! Egal, ob ich die Person schon kenne oder niemals persönlich treffen werde. Insofern vernetze ich mich auch – weltweit. Ich bin Informationskonsumentin und/oder -produzentin. Ganz wie ich möchte. Hallo!! DAS Tool der Zukunft, DER Hype. Ich hab’s endlich kapiert :)
Twitter-Phase 8: Systematisierung.
Mit dieser neugewonnenen Erleuchtung richtete ich mir sofort Twitter-Listen ein. Das sind Sammlungen von anderen Twitter-Usern, deren Tweets man auf diese Weise bequem folgen kann. So holt man sich zu bestimmten Themen blitzschnell interessante Infos – und versäumt keinen Trend. Außerdem beschloss ich, dass es um einiges “Follower-freundlich” sei, auch meine Tweets ein wenig zu strukturieren und nicht alle Themen in einen Stream reinzupacken. Es entstand also im Handumdrehen ein neues Profil: http://twitter.com/kleineFirmen für Infos rund um Kleinstunternehmen. Mit 3 Listen zum Thema EPU, Marketing und Startup. Das Tolle an Twitter ist außerdem: Man muss sich nicht durch hunderte von Worte kämpfen, um zum Kern der Sache zu kommen: 140 Zeichen (ggf. inkl. Link zu weiteren Infos) müssen genügen, um die Information bekannt zu machen. Doch mit 2 Accounts wurde es doch ein wenig aufwendig. Außerdem waren ja da immer noch XING, Facebook & Co zu bedienen. Der Tipp eines erfahrenen Twitter-Users brachte dann Hootsuite ins Spiel. Ein Online-Tool, mit dem man von einer Oberfläche aus die wichtigsten Netzwerke verwalten kann. Einmal eingerichtet, hat man die freie Übersicht auf alle Tweets und Statusmeldungen. Man schreibt seine max. 140 Zeichen und wählt mit einem einfachen Klick aus, in welchem Netzwerk diese Info verbreitet werden soll. Ha! Von wegen zeitaufwändig. Rein schauen, Infos checken, posten – alles erledigt.
Twitter-Phase 9: Heavy Userin.
Das war Anfang 2010. Und danach ging’s aber richtig los. Jede Woche gibt es neue Follower. Inzwischen habe ich über 340 Mal im ursprünglichen Profil getwittert. Eine rege Interaktion ist entstanden, wo Retweets und Replys an der Tagesordnung sind. Twitter-UserInnen fragen um Rat, laden ein, informieren über interessante Artikel oder machen sich einfach mal Luft, was sie bewegt. Das regt zum Nachdenken an, bringt zum Lachen oder wertvolle Informationen. Meine Zeit mit Recherchen haben sich deutlich verringert – die relevanten aktuellen Dinge finde ich ohne langes Suchen schon in meinen Listen. Inzwischen gibt es auch noch http://twitter.com/B2Start für meine Tweets rund um Unternehmensgründung. Die Benutzeroberfläche ist denkbar simple und übersichtlich. Es gibt keine Ablenkungen durch Spielchen oder Werbung (abgesehen von Eigenpromotion der Twitteraner). Man stößt auf völlig Fremde, die aufgrund ihrer gut platzierten Infos zu täglichen Kontakten werden – wodurch eine persönliche Verbindung entsteht. Die Möglichkeiten sind zahlreich, wie sich Twitter nutzen lässt. Es ist schnell, informativ und kommunikativ.Das lässt sich nicht erklären – das müssen Sie erleben!
empfiehlt Ihnen,
Claudia Salloker
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Claudia Salloker
Social Media Service für Kleinstunternehmen
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W www.seminarbuchung.at

5 Comments, Kommentar oder Ping
Dr. Leopold FALTIN
Danke für diesen lebendigen Bericht, Claudia! So oder so ähnlich geht es wohl vielen ptentiellen Twitter-Benützern. Und es ist gar nicht so einfach, vom bloßen Be-nützen zum Nutzen zu finden. Nach wie vor lautet die Frage, die alle InteressentInnen für sich beantworten müssen: was ist für mich persönlich, für mein Geschäft, für meine Interessen “drin”?
Twitter ist durchaus nicht für jede Art von Informationsgewinnung bzw. -verbreitung geeignet. Und nach wie vor ist es auch durchaus möglich, dass man für sich selbst eine neue, vielleicht sogar außerordentlich nützliche Form der Nutzung findet. Gute Hinweise dazu findet man z.B. unter http://peterbreuer.wordpress.com/2010/02/ – aber das eigene innovative Nachdenken bleibt trotzdem niemandem erspart.
Wie wär’s, es einfach einmal zu versuchen?
Apr 30th, 2010
Christoph Düngel
Der Bericht ist sicherlich sehr Informativ und lebendig geschrieben, lässt aber doch das Machtpotential das Twitter besitzt nicht richtig erkennen. Dazu müsste man die Frage beleuchten was Twitter anders macht als ander Socialmedias. Das würde aber hier als Kommentar zu weit führen.
Ich möchte eigentlich nur Anmerken das Twitter durch seine unzähligen “smoothen” Applikationen die es für Webdeveloper gibt sowie auch fix & fertig zum einbinden für den Laien, die möglichkeit besitzt Tausende wenn nicht sogar Hunderttausende zu erreichen.
Ich als Designer und Webentwickler habe natürlich ein dankbares Thema zum Twittern nicht destotrotz biete ich auf meiner Webseite auch die Möglichkeit für jedermann in meinen Twitterstream zukommen.
Ich werde immer wieder gefragt ob es sich Lohnt bei twitter einzusteigen. Kommentare wie “naja kein Tischler Twittert” oder “Was soll ich da dann Twittern?” sind schlicht und ergreifend falsch. Es gibt für jeden Etwas zu Twittern und es gibt für jeden sogannante “Follower” die gerne das verfolgen was getwittert wird.
Wir Europäer machen uns viel zu viel gedanken über etwaigen sinn oder unsinn.
Mai 11th, 2010
Artikel “ICH @ Twitter – 9 Phasen einer Bekehrten”