Facebook und Co. erregen heutzutage die Gemüter in Unternehmen – mit Auswirkungen. Auswirkungen, die wohl so manch Angestellter schon auf seinem Bildschirm erlebt hat – „Seite nicht erreichbar“. „Stop“ sagen die Einen, und „für Privates ist kein Platz bei der Arbeit“. „Zensur“ rufen die Anderen, diejenigen, für die das Internet Alltag ist, die „Digital Natives“.
Eine Kluft tut sich auf, nicht nur im Geschäftsleben, denn die Thematik ist auch im Privatleben angekommen. Wie also damit umgehen, als Angestellter, als Unternehmer? Kann man denn gar keine Vorteile daraus ziehen, dass Mitarbeiter im Internet surfen? Doch der Reihe nach…
Das Internet war von Anfang an dazu da, damit Menschen miteinander interagieren können.
Tim Berners Lee (Erfinder der HTML (Hypertext Markup Language) und Begründer des World Wide Web als Teil des Internets) sagte einst:
„Web 1.0 was all about connecting people. It was an interactive space, and I think Web 2.0 is of course a piece of jargon, nobody even knows what it means. If Web 2.0 for you is blogs and wikis, then that is people to people. But that was what the Web was supposed to be all along.... .... but the idea of the Web as interaction between people is really what the Web is. That was what it was designed to be as a collaborative space where people can interact.“ (Quelle: IBM, Podcast aufzeichnung mit Tim Berners Lee)
Info.cern.ch, die erste Website, war im Grunde ein Weblog, ein Begriff der sich erst 1997 bildete und Newsgroups waren die ersten Foren in denen User diskutierten. Neu sind die technischen Voraussetzungen, die früher gar nicht vorhanden oder nur für einige Wenige verfügbar waren. Die GUIs z.B. (also die grafischen Oberflächen wie Windows, ein Browserfenster, eine Navigation auf einer Internetseite) sind benutzerfreundlich geworden und Internetzugänge gibt es, zumindest in Europa und Amerika schon fast flächendeckend.
Das Kunstwort „Web 2.0“
Ein breiterer Zugang eröffnete auch neuen Schlagworten Tür und Tor. So liest man plötzlich in den Medien von „Web 1.0“, dem „alten und neuen Web“, „Web 2.0“. Der Begriff „Web 2.0“ tauchte so ca. 2003 auf, von Tim O‘Reilly geprägt, und wurde durch die Medien zum Marketingschlagwort für Geldverdienen schlechthin. Seiner Definition nach zählen zum “Web 2.0” Napster, Google AdSense, Flickr, Wikipedia oder Blogs. Blogging und Interaktionen auf Websites wurde ein Begriff für “usergenerated content”, also Inhalte die die Nutzer (im Marketing, die Kunden) generieren. Für Interessierte am Rande sei kurz angemerkt – die Pendants dazu gab es schon im “Web 1.0”: DoubleClick, mp3.com, Britannica online, Newsgroups usw.
Alle reden jetzt von Social Media…
Die Technik tritt weiter zunehmend in den Hintergrund, neue und einfach bedienbare Services entstehen und neue Begriffe ebenso. Social Media wird zum neuen Schlagwort, weitere werden folgen (z.B. Semantic Web).
Soziale Netzwerke wie XING, Facebook, LinkedIN sowie Twitter, weiters Social Bookmarks wie delicious, Corporate Blogs, interne und öffentliche Wikis, Podcasts, Youtube etc. entstehen, verändern sich und die Gesellschaft. Hypes wie Second Life kommen und gehen. Mobiles Breitband, Iphone Apps, Cloud Computing & Co. machen das Internet zusätzlich mobil verfügbar. Tagging, also Stichworte, Index, sollen die Suche nach Inhalten erleichtern…
Und die Chancen für Unternehmen – als digitaler Marktplatz oder Kaffeehaus?
Durch die “Sozialisierung” des Internets wird es auch für Unternehmen zunehmend interessanter, neue Kommunikationswege zu Ihren Kunden zu erschließen – Marktplatz und Kaffeehaus, beides gleichermaßen für das Wachstum des Unternehmens zu nutzen. Nicht einseitige Darstellung auf einer statischen Website, sondern Dialog mit allen Zielgruppen des Unternehmens.
Jedoch der Umgang will gelernt sein. “Ich will einen Blog schreiben” oder „Wir twittern jetzt auch“ alleine genügt nicht, solange die neuen Möglichkeiten nicht vollständig in die Kommunikationstrategie eingebunden sind und Mitarbeiter wie Chefs damit verantwortungsvoll umgehen können.
Ein paar Tipps für den Aufbau einer sinnvollen Social Media Strategie im Unternehmen:
· Analysieren Sie die gegenwärtige Situation im Unternehmen – nur eine Bestandsaufnahme zeigt vorhandenes Potential für digitale Kommunikation. Welche Botschaft soll wie kommuniziert werden – Digital, durch Printwerbung, durch PR, Intern oder Extern?
· Beobachten Sie den Markt – B2B oder B2C, Lokal, International – das erfordert andere digitale Strategien und damit auch andere Maßnahmen.
· Verhalten Sie sich digital wie von Angesicht zu Angesicht – authentisch und wiedererkennbar. Was nützen gute Kundenbindungsprogamme wenn man digital ewig auf Antwort wartet, kritische Einträge gelöscht werden oder man mit Abmahnungen um sich schlägt.
· Binden Sie Ihre Mitarbeiter in die digitale Kommunikation ein. Schon klar, das erfordert Vertrauen. Aber Mitarbeiter sind die erste Öffentlichkeit im Unternehmen und Ihre besten Kunden! Sperren Sie sie also nicht aus! Vielleicht bringt eine Mitarbeitersuche via privat weitergetragener Facebookmeldung ja mehr fürs Image als kostspielige Anzeigen.
· Binden Sie Social Media Guidelines in die interne Kommunikationsstrategie ein. Sie haben schon eine Unternehmensphilosophie? Sie haben schon Leitsätze? Gut, dann erweitern Sie sie! Wenn nicht – jetzt ist ein guter Zeitpunkt sie zu erstellen!
· Trainieren Sie Ihre Mitarbeiter und sich selbst im Umgang mit den digitalen Kommunikationsmedien!
· Zu guter Letzt: Bleiben Sie realistisch, kritisch, neugierig! – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut – eine Social Media Strategie und der Umgang damit auch nicht. Aber Sie, Ihre Mitarbeiter und Ihr Unternehmen wachsen daran.
Dr. Michaela Endemann
WISSIT e.U. strategische Kommunikationsbegleitung
Dr. Michaela Endemann
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