Zwei junge Männer geben einander beim Verlassen eines Cafés einen flüchtigen Kuss. Kurz darauf werden sie festgenommen und 28 Stunden lang verhört. Sie haben laut Gesetz einen „öffentlichen Skandal“ verursacht. Rausschmiss aus der Schule? Ein Jahr Gefängnis? Beide Strafen sind in Rumänien verhängt worden.
In anderen Ländern hätte dasselbe Ereignis einiges an Geld kosten oder lange Haftstrafen nach sich ziehen, wie in Uganda. Im Iran und Yemen kann gleichgeschlechtlicher Sex sogar die Todesstrafe zur Folge haben. In vielen Staaten der Welt werden Menschen, die sich nicht dem Diktat dessen unterwerfen, was allgemein als „normal“ gilt, diskriminiert, verfolgt, misshandelt, gefoltert, vergewaltigt und ermordet.

Die weltweite Formulierung der Menschenrechte nach den Grausamkeiten und systematischen Verletzungen von Menschenrechten im zweiten Weltkrieg, dem auch zahlreiche Menschen die als „homosexuell“ oder als „asoziales Element“ (für Lesben) galten zum Opfer fielen, besagt, dass allen Menschen alle Menschenrechte in gleichem Maße überall zustehen.

amnesty 3 In der Realität jedoch zählen Missachtung, Feindseligkeiten, Diskriminierung, verbale sowie körperliche Attacken und Gewaltangriffe zu tagtäglichen Erfahrungen von Menschen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell bezeichnen. Setzen sich Lesben, Schwule und Transgender gegen Angriffe zur Wehr und erstatten z.B. Anzeige, müssen sie meist mit schwerwiegenden Folgen rechnen. Die Folge davon ist, dass viele Opfer weitgehend „unsichtbar“ bleiben.

In vielen Teilen der Welt ist die Unterdrückung nicht nur gesellschaftlich, sondern auch staatlich legitimiert. Z.B. durch Kriminalisierung durch Gesetze und willkürliche Morde und „Verschwindenlassen“, oft mit der „öffentlichen Ordnung“ als Vorwand oder der „Sodomie“ als Vorwand gegen unliebsame Personen.

Weltweit haben Frauen aufgrund der ihnen zugeschriebenen Rolle gesamtgesellschaftlich gesehen oft weniger Chancen als Männer: geringere Bildungsperspektiven, weniger finanzielle Möglichkeiten, mangelnde Bewegungsfreiheit. Die Abhängigkeiten, in denen sie sich befinden, erschweren es ihnen, sich vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen, deren Opfer sie werden, z.B. weil sie sich zu bestimmten Überzeugungen bekennen, gegen die Politik einer Regierung auftreten. Darüber hinaus sind sie Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, die sich gezielt gegen ihr Geschlecht richten – Verfolgung, weil sie gegen Normen verstoßen, die nur für Frauen gelten, Vergewaltigung in Haft, Verfolgung als Angehörige von politisch aktiven Männern.

Lesben sind von Menschenrechtsverletzungen doppelt betroffen: Als Frauen und als Homosexuelle

Die Verfolgung von Homosexuellen hat zwei Ebenen. Einerseits werden Lesben als Minderheit verfolgt: Angriffe auf Minderheiten sind eine besondere Form von Intoleranz einer Gesellschaft und werden nicht nur durch staatliche Organe, sondern besonders durch Einzelpersonen und Personengruppen durchgeführt. Andererseits sind Übergriffe gegen Lesben in den Augen der TäterInnen oft eine Bestrafung für ihre Lebensweise. Lesben stellen die Strukturen einer von Männern dominierten Gesellschaft in Frage, indem sie sich konsequent der männlichen Verfügbarkeit entziehen.

amnesty2In Österreich sind „homosexuelle Handlungen“ erst seit 1971 nicht mehr strafbar, trotzdem bestehen nach wie vor mannigfaltige Diskriminierungen auf staatlich/rechtlicher sowie auf sozial/politischer Ebene. Siehe § 209, welcher bis 2002 galt, oder den noch bis heute gültigen §207b, die Verweigerung der Ehe gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren, etc.

Das Netzwerk LGBT-Rechte (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) von Amnesty International Österreich lehnt Diskriminierungen von Paaren aufgrund der sexuellen Orientierung ab und fordert daher, gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften auch in Österreich rechtlich abzusichern.

Weltweit wird zunehmend anerkannt, dass Diskriminierung auf Basis der sexuellen  Orientierung nicht ver träglich mit nationalen und internationalen Menschenrechtsstandards ist. Amnesty International sieht auch gleichgeschlechtliche Ehen als ein Thema, bei dem es um fundamentale Menschenrechte geht. „Wenn die gleiche rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren verweigert wird, bedeutet das, dass diesen Menschen verschiedene Rechte vorenthalten werden“, so die AktivistInnen des Netzwerks LGBT-Rechte. Daher soll auch in Österreich möglichst schnell die Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare geschaffen werden, ihre PartnerInnenschaft registrieren zu lassen, um damit alle davon abhängenden Rechte genießen zu können – gleich der Ehe.

Das Netzwerk LGBT-Rechte ist eine Gruppe von AktivistInnen innerhalb von Amnesty International Österreich. Mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen machen die aktiven Mitglieder auf Menschenrechtsverletzungen an LGBT-Personen aufmerksam.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beschäftigt sich seit einer Mandatserweiterung im Jahr 1991 auch mit Menschenrechtsverletzungen an LGBT-Personen, seit einem Beschluss im Jahr 2006 spricht sich die Organisation gegen Diskriminierungen im Zivileherecht aus.

Netzwerk LGBT-Rechte von Amnesty International Österreich

 

Meine Spende:
PSK 1.030.000
Blz: 60.000
Kennwort: LGBT-Rechte

 

Amnesty1

c/o amnesty international Österreich
Moeringgasse 10
1150 Wien
T: (+43 1) 78008
F: (+43 1) 78008-44
E: info@lgbt.at
Wwww.lgbt.at

[Post to Twitter] Tweet This Post 

Dieser Artikel wurde verfasst am Freitag, Januar 29th, 2010 um 15:18.
Kategorie: Coverstorys.

 

One Comment, Kommentar oder Ping

Artikel “Menschenrechtsverletzungen aufgrund sexueller Orientierung”

<