Clustering: Quelle der Inspiration
Assoziationen und Ideenverknüpfung
Gedanken zu ordnen, um die zündende Idee zu erlangen oder neue Perspektiven zu eröffnen, ist für jeden, der in einem Entwicklungsprozess steckt, enorm wichtig. Je kreativer der Weg zur Lösung beschritten wird, desto bereichernder werden jene Blickwinkel sein, die den neuen Weitblick zum gewünschten Ziel ermöglichen.
Verschiedene Methoden verhelfen uns, dass wir abseits vom starren, linearen Denken, kreative Ansätze finden. Bekannte und häufig zum Einsatz gebrachte Verfahren sind Brainstorming und Mindmapping. Anfang der 70er Jahre entstand in England, durch Tony Buzan, das Mindmapping-Verfahren. Etwa zeitgleich, Mitte der 70iger Jahre, entwickelte Gabriele L. Rico, die als Dozentin für Anglistik und Kunstpädagogik an der San Jose University in Kalifornien lehrt, das Clustering. Die Methode des Clustering gilt als die Grundform des „kreativen Schreibens“. Sie selbst definiert Clustering als „Kurzschrift des bildlichen Denkens”.
“A cluster is like an expanding universe, and each word is a potential galaxy: each galaxy in turn may throw out its own universe.” (Gabriele Rico)
Erfolgsmagazin im Interview mit Mag. (FH) Roman Anlanger, Studiengangsleiter für „Technisches Vertriebsmanagement“ an der Fachhochschule des bfi Wien und Autor des Bestseller-Buches „Trojanisches Marketing. Mit unkonventioneller Webung zum Markterfolg“.
Erfolgsmagazin: Wie unterscheiden sich Mindmapping und Clustering? Wo bzw. wie kommen diese Methoden zum Einsatz?
Anlanger:
Grundüberlegung für das Clustering ist die Hemisphärentheorie von Roger Sperry, wonach wir eine linke und eine rechte Gehirnhälfte besitzen, die für folgende Aufgaben zuständig sind:
Obwohl das simple Hemisphärenmodell teilweise „veraltet“ ist, halten Experten die folgende von der Sprachwissenschaftlerin Gabriele L. Rico erfundene „Cluster-Methode“ für wirksam, da diese tatsächlich in der Praxis mit großem Erfolg angewandt wird. So wird diese Methode vor allem für das Lösen von Blockaden verwendet und eignet sich hervorragend für den Einsatz (Ideenfindung) im Trojanischen Marketing. Beim Clustering handelt es sich um einen Methode des freien, assoziativen Schreibens. Rico nennt die Vorgehensweisen der linken Hemisphäre „Begriffliches Denken“. Die der rechten Gehirnhälfte „Bildhaftes Denken“. Den schöpferischen Akt der Neugestaltung bezeichnet sie als ein Wechselspiel zwischen dem ganzheitlichen Entwurf in der rechten Hemisphäre und den linearen Ordnungsprozessen in der linken Gehirnhälfte.
Beim Clustering geht es immer um die Neuentstehung von Ideennetzen (= Assoziationsverfahren). Beim Mindmapping geht es vor allem um die Verdichtung von bestehendem Wissen, welches dann leichter reproduziert werden kann (= Verfahren zur Systematisierung). Dies findet vor allem in den Lehr-, Lern- und Denkstrategien seine Anwendung. Durch bereits erarbeitete Mindmaps kann mühelos neues Wissen kurz und bündig integriert werden.
Auch für die Visualisierung von Moderationen können Mindmaps genutzt werden, die dann den moderierten und vereinbarten Stoff graphisch gegliedert darstellen.
Erfolgsmagazin: Mindmapping und Clustering wurden fast zeitgleich entwickelt? Gab es in der 70iger Jahren eine spezielle Tendenz, die das förderte?
Anlanger:
Meiner Erfahrung lag hier keine besondere Tendenz vor. Aber wie bereits gesagt, handelt es sich beim Mindmapping und beim Clustering, obwohl in der bildhaften Aufmachung sehr ähnlich, doch um zwei verschiedene Techniken. Das Clustering ist ein klassisches Assoziationsverfahren, um neue Ideen zu entwickeln. Das Mindmapping verdichtet immer bestehendes Wissen bildhaft. Das Gemeinsame ist eben die bildhafte Darstellung, die oft ähnlich ausschaut.
Erfolgsmagazin: Welche ganz klare Differenzierung ist nun zwischen Mindmapping und Clustering festzuhalten? Können Sie ein anschauliches, vergleichendes Beispiel bringen?
Anlanger:
Kernelement für das Clustering ist das Vorhandensein eines Schlüsselwortes, welches in die Mitte eines Blattes Papier geschrieben wird. Sie werden jetzt sicherlich sagen: Das kenne ich ja, denn das mache ich beim Mindmapping auch!
Der Unterschied besteht darin, dass Sie zuerst das Zentralwort, wovon sich alles andere ableitet, einkreisen und wieder einkreisen, … Durch dieses wiederholte Einkreisen wird der „Gedankensturm“ zwischen linker und rechter Gehirnhälfte aktiviert. Erst wenn Sie Ihr erstes Wort eingekreist haben, gehen Sie zum nächsten Wort, das Ihnen spontan einfällt. Dieses kreisen Sie solange ein, bis Ihnen das nächste Wort einfällt. All die anderen Wörter, die sich jetzt zu den bereits vorhandenen Wörtern dazugesellen, werden wiederum eingekreist. Somit entsteht mit der Zeit ein Cluster, das wörtlich übersetzt auch Vogelschwarm oder Weintraubenbüschel heißt. Sollten Sie in einen Gedankenstopp verfallen, kehren Sie einfach wieder zum Zentralwort zurück. Kreisen Sie dieses erneut ein. Sie können dies auch öfters machen, bis Ihnen wiederum neue Wörter einfallen.
Erfolgsmagazin: Wie gliedert sich der Clusteringprozess konkret? Wie gestaltet sich der Ablauf punktuell?
Anlanger:
Hinsichtlich der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns beschreibt Gabriele L. Rico die Technik des Clusterings anhand von fünf zentralen Merkmalen:
1. Durch das Clustering wird die Dominanz der linken Gehirnhälfte gebrochen, die sich durch ihre systematische Arbeitsweise kennzeichnet. Stattdessen wird die nichtlineare Form der rechten Gehirnhälfte verstärkt und zu Papier gebracht.
2. Die Syntax, ein Element der linken Gehirnhälfte, spielt beim Clustering kaum eine Rolle. Vielmehr wird die bildhafte Vorstellungskraft mit ihrem Sitz in der rechten Gehirnhälfte verstärkt.
3. Mit Hilfe des Clustering wird der rechten Gehirnhälfte die Möglichkeit gegeben, unverbrauchte Wahrnehmungen und neue Muster zu entwickeln.
4. Die emotional gefärbten Bilder und Ausdrücke werden von einem vorläufigen Entwurf zu einem neuartigen Ganzen verdichtet. Der daraus resultierende Schreibprozess kommt von selbst in Gang.
5. Das kreative Spiel der neuen Ideen wird durch das Clustering verstärkt, da sich Rhythmen, Muster und Bilder der rechten Gehirnhälfte spielerisch entfalten können.
Erfolgsmagazin: Welche Erfolge sind durch den Einsatz von Clustering zu erzielen? Anlanger:
Ich habe mich schon mit sehr vielen Personen intensiv unterhalten, die das Clustering, so wie ich, einsetzen. Gemeinsamer Tenor aller Beteiligten: Ein wunderbares Instrument, um die eigene Kreativität zu erschließen. Das Clustering kann übrigens auch in Kleingruppen von 2-5 Personen für neue Assoziationen angewendet werden.
Erfolgsmagazin: Wie kann man Clustering in den Geschäftsalltag einbinden? Wann ist es einfach und rasch zur Optimierung einsetzbar. Und: In welchen Unternehmensbereichen? Anlanger:
Das Clustering lässt sich auf jeder Ebene einbinden, wo es darum geht, neues Wissen zu erzeugen. Dazu ein eigenes Beispiel: Im Jahr 1989 holte ich die Externistenmatura nach. Nach dem Durchlesen der Angabe für die schriftliche Deutschklausur fiel mir überhaupt nichts ein. Ein Hauch von Nervosität machte sich in meinem Herzen bemerkbar. Nach 15 Minuten grübeln und einiger Schweißausbrüchen beschloss ich dann, das Clustering von Gabriele L. Rico einzusetzen. Ich verwendete dazu zwei nebeneinander liegende A4-Blätter. In 20 Minuten hatte ich alle meine Gedanken zusammen. Ich werde aber nie die verdutzen Augen meines damaligen Deutprofessors vergessen, der so was noch nie gesehen hatte.
Auch für mein aktuelles Wirtschaftsfachbuch „Trojanisches Marketing“, welches bereits ein Bestseller-Buch wurde, habe ich das Clustering bewusst für das Schreiben eingesetzt.
Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Das Clustering lässt sich in allen Unternehmensbereichen einsetzen. Überall dort, wo neue Assoziationen entstehen sollen, wo kreativ gearbeitet wird, wo herkömmliche Strategien nicht weiterhelfen.
Erfolgsmagazin: Ihre Top-Tipps, wenn Unternehmer Clustering regelmäßig zum Einsatz bringen möchten?
Anlanger:
Man kennt ja doch das alte Sprichwort: „Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen“. Genauso ist es mit dem Clustering. Man muss es schon ein paar Mal üben, bevor man mit der Technik vertraut wird und diese auch sicher anwenden kann. Dies ist beim Clustering nicht so zeitintensiv, aber ein paar Stunden sollten es doch sein.
Mag. (FH) Roman Anlanger
Leiter des Fachhochschul-Studiengangs
“Technisches
Vertriebsmanagement”
Fachhochschule des bfi Wien
Giefinggasse 6
ENERGYbase
1210 Wien
Tel: +43-1-720 12 86-910
roman.anlanger@fh-vie.ac.at
http://www.fh-vie.ac.at
Neues Wirtschaftsfachbuch:
http://www.TrojanischesMarketing.com
Erschienen in der Erfolgsmagazinausgabe November 2008

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