Glück ist ein Thema, das die Menschheit sei jeher beschäftigt. Schon Ovid, Cicero, Goethe, Darwin, Erasmus von Rotterdam und viele weitere große Persönlichkeiten hinterfragten „Glück“. Wann ist man wirklich glücklich? Was macht Glück aus? Kann man jemals 100%ig glücklich sein? Wie definiert sich Glück? Wie komplex ist der Begriff „Glück“?
Vor allem in der Selbständigkeit ist die Frage nach Glück besonders wichtig. Welches Glück erfüllt einen Unternehmer? Wie schnell kann sich vermeintliches Glück zu Unglück wandeln? Macht uns unsere Arbeit glücklich? Ist Glück zu erzwingen? Kann man sich Glück erarbeiten? Welche Parameter müssen gegeben sein, um Glück im eigenen Tun empfinden zu können? Ist Geld der Schlüssel zum Glück? Die Fragen sind unendlich und regen zum Philosophieren und Diskutieren an.
Dominik Dallwitz-Wegner setzt sich seit 2004 intensiv mit dem Thema Glücksforschung auseinander und ist im Rahmen von Konferenzen der Positiven Psychologie auch international tätig. Weiters ist er Vorstandsmitglied des ENPP (European Network of Positive Psychology). Jüngstes Projekt war die von ihm initiierte Konferenz für Glücksforschung 2008 mit namhaften Rednern wie zum Beispiel Prof. Ruut Veenhoven.
Die Glücksforschung hat gezeigt, dass Glück und Zufriedenheit allgemeine Aspekte hat, die für uns alle gelten. Diese werden durch die Wissenschaft herausgearbeitet und untersucht.
Erfolgsmagazin im Interview mit GlücksMediator Dominik Dallwitz-Wegner.
Erfolgsmagazin: Wie wird der Begriff Glück in der Wissenschaft definiert? Und: Kann man Glück messen?
Dallwitz-Wegner:
Eine gute Frage. Man müsste annehmen, dass nach mindestens 30 Jahren Forschung aus Psychologie, Soziologie, Ökonomie und anderen Gebieten eine brauchbare und verbindliche Definition von Glück zur Verfügung stünde. Hier die gute Nachricht für alle, die das Glück nicht in einem Korsett der Worte sehen möchten: Eine solch allgemein akzeptierte Definition existiert nicht. Sie ist für die Forschung auch nicht unbedingt notwendig. Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich vor allem mit Teilaspekten oder den Bedingungen, die dazu führen, dass sich Menschen als glücklich oder zufrieden einschätzen. Hier wurden entscheidende Erkenntnisse gewonnen.
Um Glück und Zufriedenheit zu messen, wird häufig direkt danach gefragt. Dies ist genauso zuverlässig wie die Frage des Arztes: “Tut das weh, wenn ich hier drücke?” Auch wenn wir es nicht definieren können, wissen wir subjektiv sehr genau, wie sich Glück anfühlt. Daher spricht man in der Positiven Psychologie auch nicht von Glück, sondern von subjektivem Wohlbefinden.
Erfolgsmagazin: Worin unterscheiden sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse konkret zu gebräuchlichen Glückserklärungen?
Dallwitz-Wegner:
Der vielleicht interessanteste Unterschied zwischen Forschung und Alltagsverständnis liegt in den Quellen des Glücks. Nicht nur meine eigenen Forschungsstudien zeigen, dass Gesundheit, Familie, Freunde oder Geld für die Quellen des Glücks gehalten werden. Mehr davon hieße dann mehr Glück. Sicherlich haben solche Faktoren viel mit Glück und Zufriedenheit zu tun. Studien belegen jedoch, dass ein Lottogewinn nicht automatisch zu langfristiger Zufriedenheit führt und umgekehrt körperlich Behinderte oder chronisch Kranke ein zufriedenes Leben führen können. Auch braucht es erstaunlicherweise keine Partnerschaft oder Kinder, um glücklich zu sein. Es gibt gute Alternativen. Nach Prof. Sonja Lyubomirsky machen diese Faktoren sogar nur 10% unseres Glücks aus. 50% sind genetisch veranlagt – auch das ist überraschend. Das Spannendste sind nun die übrigen 40%. Diese können wir ihrer Meinung nach durch unsere eigene Einstellung verändern. Die Wissenschaft hat auch untersucht, wie Zufriedenheit am besten zu erreichen ist. Es ist meine Hauptaufgabe als GlücksMediator, diese Erkenntnisse in Form von Vorträgen, praktischen Schulungsprogrammen und Events zu vermitteln, um Menschen privat und beruflich glücklicher und zufriedener zu machen.
Erfolgsmagazin: Gibt es denn einen Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit?
Dallwitz-Wegner:
Einen entscheidenden Unterschied. Wenn Sie diesen verinnerlicht haben, lassen sich alleine dadurch viele Probleme lösen. Wir meinen mit “Glück” im Deutschen grob gesprochen drei Dinge: Das Zufallsglück, den Glücksmoment und langfristige Zufriedenheit oder Lebensglück. Die ganze Diskussion um die hedonistische Tretmühle -das Streben nach immer mehr, das zu noch mehr Streben nach immer mehr führt, ohne Ende oder darum, dass der Mensch für langfristiges Glück nicht geschaffen sei, bezieht sich meist auf die biologischen Mechanismen des Glücksmoments. Buddhistische Mönche streben durch Meditation vor allem Zufriedenheit an. Glücksmomente und Lebensglück haben für sich allein betrachtet Vor- und Nachteile. Daher sollten sie sich meiner Meinung nach gegenseitig ergänzen.
Erfolgsmagazin: Was spielt sich im Körper eines glücklichen Menschen ab? Was ist der evolutionäre Grund für Glück?
Dallwitz-Wegner:
Die Biologie und v.a. die Neurowissenschaften haben dieses Thema in den letzten Jahren aufgegriffen. Gut untersucht ist, wie der kurzfristige Glücksmoment zustande kommt. Ich könnte Ihnen nun einiges erzählen über Area A10, den Neurotransmitter Dopamin, endogene Opioide oder den Nucleus accumbens und deren komplexes Zusammenspiel. Dies würde aber den Rahmen dieses Interviews sprengen. Ganz zu schweigen von anderen Glückszuständen im Bereich der Zufriedenheit wie die Wirkung von Serotonin oder Oxytoxin.
Aber wozu haben wir überhaupt die Fähigkeit, glücklich zu sein? Der Evolution, der Natur oder einer göttlichen Macht kann man nicht in die Karten schauen. Vermutungen können wir jedoch anstellen. Prof. Manfred Spitzer kommt zum Schluss, dass man durch Glück besser lernt. Sind Ereignisse besser als erwartet, werden quasi kurzfristig alle Scheinwerfer auf einen Punkt fokussiert. So lernen wir alles, was gut für uns ist. Glück ist demnach eine Funktion im Überlebenskampf und eine Art Nebenprodukt des Lernapparates. Das hört sich jetzt sehr technisch an, aber zum Glück macht Glück ja auch mächtig Spaß.
Erfolgsmagazin: Welche Auswirkung hat Stress und Leistungsdruck auf unser glücklich sein?
Dallwitz-Wegner:
Stress ist eine Art Turbo, der uns in Extremsituationen leistungsfähiger machen soll. Schaltet man ihn jedoch zu lange ein, nimmt der Motor schaden. Stress ist laut WHO die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts und erklärt angeblich 50-60% aller Arbeitsunfälle.
Aus Sicht des Glücklichseins ist Stress nicht unbedingt schlecht. Man unterscheidet zwischen gutem Stress (Eustress), der Kräfte aktiviert, und negativem Stress (Disstress), der vor allem durch Überforderung und Perspektivlosigkeit bestimmt ist. Disstress wirkt eher leistungssinkend. Langfristig gesehen ist jedoch auch Eustress kein guter Zustand.
Bei Stress geht es meist um die fehlende Balance von Anforderungen und eigenen Möglichkeiten. Aus der Positiven Psychologie kommt ein spannender Ansatz – das Flow-Prinzip. Sie sind im Flow, wenn Sie in einer Tätigkeit völlig aufgehen. Hier liegen die Anforderungen im gerade noch zu bewältigenden Bereich. Ihre Fähigkeiten werden optimal genutzt. Das ist für Privat- und Berufsleben ein wesentlich effektiverer Zustand als Stress. Wir alle – aber auch Unternehmen – sollten uns mit den Methoden vertraut machen, die zu Flow führen.
Erfolgsmagazin: Gibt es Vergleichswerte, zwischen glücklichen und unglücklichen Menschen? Was ist aufgrund der Messungsergebnisse festzuhalten?
Dallwitz-Wegner:
Hier türmen sich die Studien. Zufriedenere Menschen sind gesünder, haben engere soziale Beziehungen, sind beliebter, sind in ihrem Denken flexibler und kreativer, am Arbeitsplatz produktiver, leben sogar länger und vieles mehr. Es lohnt sich also allemal, sein Glück und seine Zufriedenheit zu steigern. Und das ist lernbar, zum Beispiel Online mit Hilfe meiner bald fertiggestellten GlücksAkademie.
Erfolgsmagazin: Was passiert bei einem Menschen – aus Sicht eines Glückforschers – der unter Burn out leidet?
Dallwitz-Wegner:
Ähnlich wie Depression oder Disstress könnte man Burn-out als Gegenprinzip zu Glück und Zufriedenheit bezeichnen. Keine der Symptome oder Folgeerscheinungen von Burn-out lassen sich mit den Zielen der Glücksforschung vereinbaren. Der Glücksforscher muss sich mit dem Phänomen des Burn-out auskennen, beschäftigt sich jedoch forscherisch weniger damit. Es geht der Glücksforschung mehr um Potential- und Stärkenentwicklung.
Erfolgsmagazin: Was können neu erworbene Glücksmomente bei Menschen mit Burn out bewirken?
Dallwitz-Wegner:
Menschen, die unter Burn-out leiden, brauchen professionelle Hilfe. Gegebenenfalls ist eine psychotherapeutische Behandlung notwendig. Daher bin ich nicht qualifiziert, diese Frage ausreichend zu beantworten. Aus meiner Sicht setzt der positive Ansatz ein, wenn der Patient aus dem Burn-out Umfeld heraus ist, gut betreut wird und etwas zur Ruhe gekommen ist. Glücksmomente, das Finden von neuen Perspektiven und optimale Nutzung der eigenen Fähigkeiten sind dann entscheidende Faktoren, um zu einem produktiven Leben (zurück) zu finden.
Erfolgsmagazin: Wie glücklich macht Geld?
Dallwitz-Wegner:
Geld allein macht weder glücklich noch unglücklich. Es ist ein Symbol für die Umsetzung von Handlungsoptionen. Oder einfacher gesagt: Es kommt immer darauf an, was Sie daraus machen (können).
Generell und in Kürze kann man aufgrund der Forschungsergebnisse folgendes sagen: Menschen in Armut hilft jeder zusätzliche Euro zur Erhöhung ihrer Zufriedenheit. Dieser Effekt stellt sich bis ca. 10.000 US Dollar Jahreseinkommen ein auf die jeweilige Kaufkraft des Landes angepasst. Zwischen 10.000 und 20.000 wird noch ein schwacher Effekt gemessen und darüber hinaus ist der Effekt von mehr Geld auf mehr Zufriedenheit verschwindend gering. Das Durchschnittseinkommen in Deutschland liegt bei über 30.000 USD. Aber es ist nicht nur wichtig, wie viel man selbst verdient sondern auch welches Einkommen unser Umfeld hat also Kollegen, Freunde usw.. Sie sind dann mit Ihrem Einkommen zufriedener, wenn Sie im Vergleich zu anderen gut dastehen. Das ist nicht schön und ein so genanntes Nullsummenspiel. Gewinnt einer, verliert der andere.
Es geht also für uns darum, Geld so effektiv wie möglich einzusetzen. Forschungsergebnisse zeigen, dass sie frei verfügbares Kapital für ein zufriedenes Leben am besten in soziale Beziehungen und Hilfeleistungen investieren. Dies gilt natürlich erst dann, wenn ihre persönliche Lebensbasis gesichert ist.
Erfolgsmagazin: Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen Glück und unternehmerischen Erfolg?
Dallwitz-Wegner:
Unzufriedene Mitarbeiter sind ein Kostenfaktor. Hier geht viel Potential- und damit Produktivität – verloren. Zudem wird die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften immer schwieriger. Es müssen gute Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen gebunden werden, um Know-how nicht abfließen zu lassen. Das sind nur einige Argumente, die deutlich machen, dass Unternehmen sich intensiv um ihr Image und Mitarbeiterzufriedenheit kümmern müssen. Die Steigerung der Zufriedenheit der Mitarbeiter ist ein effizientes Mittel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Hierzu entsteht seit einiger Zeit ein Markt von seriösen Beratungsangeboten. Zum Beispiel entwickle ich zusammen mit Universitäten und Experten aus dem Trainingsbereich ein System, um Zufriedenheit durch wissenschaftlich gesicherte Methoden zu erhöhen. Es soll in Unternehmen eingesetzt werden, um Mitarbeiter zufriedener und leistungsfähiger zu machen.
Erfolgsmagazin: Was können Sie unseren Lesern und Leserinnen aufgrund Ihrer Erfahrungen als Leitsatz mitgeben?
Dallwitz-Wegner:
Glück und Zufriedenheit sind lernbar. Es lohnt sich, daran zu arbeiten. Und: Es kann Spaß machen. Vertrauen Sie ihrer Intuition und lassen sie sich von professionellen Trainern dabei unterstützen.
Erschienen in der Erfolgsmagazin Ausgabe August 2008
Dominik Dallwitz-Wegner
Diplom Soziologe und GlücksMediator
PoINT – positive intelligence
www.positive-intelligence.com
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Telefon 040 – 18886941

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Artikel “Interview: Glück gegen Stress und Burn out”