In der Vorbereitung zu diesem Artikel las ich u.a. folgenden Satz von Frau Karin Amtmann, die sich mit betrieblicher Gesundheitsförderung für KMU’s beschäftigt: „Motivierte Mitarbeiter bringen mehr Leistung und bleiben länger im Betrieb!“ Wie wahr! Denn genau das, soll – neben hoher Kundenzufriedenheit – das höchste Ziel eines Unternehmens sein. Die Realität sieht vielfach anders aus!
Was kann man nun tun, damit der Betrieb gesund wird bzw. gesund bleibt? Was können der Unternehmer und die Unternehmerin machen, damit der Mensch zählt, nicht ausbrennt, mehr leistet und das auch noch gerne? Nachstehend einige Gedanken dazu:
Einsame Entscheidungen oder im Team?
Johannes Thönneßen, Geschäftsführer und Chefredakteur von Managementwissen online, schreibt in seinem Managementwissen-Online-Blog: „Mit meiner Konzernerfahrung im Hinterkopf habe ich nie kapiert, was so schwer daran sein soll, Mitarbeiter an Entscheidungen zu beteiligen, ihnen die Verantwortung für das, was sie tun zu übertragen, und sie diese Verantwortung tragen zu lassen.“
Wie oft habe ich Firmen erlebt, in denen die Mitarbeiter gar nicht wussten, nach welcher (Konzern)-Richtlinie sie arbeiten, geschweige denn, in diese jemals eingebunden werden. Es gibt genügend Fälle, wo Informationen an das scheinbar letzte Glied über die Zeitungen transportiert werden. Das passiert nicht nur in der Politik! Ich selbst habe in Betrieben gearbeitet, wo die Meinung des Chefs die Einzige war. Die anderen hatten keine mehr bzw. trauten sich nicht, diese zu äußern. Kann das auf Dauer gut gehen? Ich meine nein. Es gibt in der Wirtschaft genügend Beispiele dazu.
Und wie wohltuend erlebt man dann wiederum Unternehmen, die sehr wohl die Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen kennen und diese gezielt einsetzen. Man traut ihnen zu, selbst Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und in Folge auch gemeinsam umgesetzt. Freiwillig und erfolgreich. Motivation pur!
Lutz von Rosenstiel schreibt in seinem Buch „Motivation im Betrieb“:
Schlechte Entlohnung kann zwar die Ursache für Unzufriedenheit sein, aber gute Bezahlung erhöht nicht unbedingt Motivation und Leistungsbereitschaft. Nur im ungünstigen Fall arbeitet jemand ausschließlich, um Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen (extrinsische Motivation). Den meisten Arbeitnehmern ist es nicht gleichgültig, welche Tätigkeit sie ausüben, sondern sie streben nach einer Aufgabe, von der sie sich herausgefordert fühlen, eine möglichst gute Leistung zu erbringen (intrinsische Motivation).
Was machen die so genannten EPU’s (Ein-Personen-Unternehmen)?
Wir sprachen zuvor mehrheitlich von größeren Firmen. Mittlere bzw. kleine Firmen haben ja kaum Menschen um sich, mit denen sie sich in Fragen der Firmenpolitik austauschen können. Zumeist muss da der Ehepartner herhalten. Das war’s dann! Man glaubt, alles selbst tun zu müssen. Das Ergebnis – Überforderung, Burnout und das Geschäft lässt auch zu wünschen übrig! Was können nun die „Kleinen“, also jene, die in meinem Arbeitsbereich der Unternehmensgründung die Mehrheit darstellen, tun?
Im Unternehmensgründungsprogramm des AMS, kurz UGP, in dem ich das Glück habe zu arbeiten, wird seit einigen Jahren auch externes Wissen zugelassen. Das bedeutet, dass die Kunden, die über die Arbeitslosigkeit in eine erfolgreiche Selbstständigkeit begleitet werden und zu mehr als 90% aus Einzelunternehmen bestehen, stets aus dem Vollen schöpfen können! Was meine ich damit?
Neben den angebotenen Beratungen werden auch sehr viele Workshops angeboten. Neben den zugeteilten BeraterInnen lernen die angehenden UnternehmerInnen dadurch auch frühzeitig externe Spezialisten kennen. Bereits sehr früh wird eine Vertrauensbasis aufgebaut, auf die man zu gegebener Zeit zurückgreifen kann.
Wie bereits oben erwähnt, verkommt ein „Einzelkämpfer“ wirklich zum Arbeitstier. Aber nicht, weil er seine Kernaufgabe zu bewältigen hat. Nein, weil er alle Entscheidungen einsam trifft, die Buchhaltung macht und die Werbestrategie sowieso. Aber Sie als Unternehmer erhalten ja auch nur die Aufträge deshalb, weil andere diese nach außen vergeben. Wirtschaft funktioniert als Kreislauf.
Worauf ich hinaus will ist ganz einfach und betrifft daher nicht nur jene, die die Möglichkeit haben ein, wie oben beschriebenes, Programm in Anspruch zu nehmen, sondern alle:
- Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf Ihre Kernkompetenz.
- Lagern Sie alles, was nicht in diesen Bereich fällt, aus.
- Nutzen Sie externes Wissen – Berater, Unternehmer, Freunde – nicht gutmeinende Schulterklopfer.
- Vertrauen Sie externen Meinungen, auch wenn diese hin und wieder nicht sofort zum Erfolg führen.
- Glauben Sie bzw. integrieren Sie Ihre Mitarbeiter. Sie werden es Ihnen danken!
- Es gibt auch genügend Menschen und Institutionen, die bereit sind Ihnen zu helfen. Das muss nicht immer Geld kosten. Leistung trifft zum Beispiel auf Gegenleistung. Es gibt neben dem UGP auch die Wirtschaftskammern und sonstige Interessensvertretungen.
Egal ob großer Boss eines großen Unternehmens oder Chef einer Ich-AG (bei uns EPU): Nur, wenn Sie bereit sind abzugeben, anderen zu vertrauen, Ideen und Vorschläge anderer anzunehmen und umzusetzen bzw. umsetzen zu lassen, werden Sie in der Lage sein, Ihre Firma durch eine spannende Zeit zu führen. Arbeit kann – und soll – auch bei hoher Professionalität, Spaß machen. Wie Sie die Ziele mit Ihren MitarbeiterInnen umsetzen ist egal. In kleinen Teams, in Arbeitsgruppen, im Zuge diverser Motivations-Aktivitäten. Sie führen! Manfred Winterheller sagt dazu: Führung heißt, dass etwas erledigt wird.
Mit Hobbies und der so wichtigen Freizeit beschließe ich meinen Gastkommentar:
Nehmen Sie sich wirklich Zeit für sich selbst. Sie haben immer die Möglichkeit dazu, denn Sie sind danach leistungsfähiger, es geht Ihnen auf alle Fälle besser. Ich weiß wovon ich spreche: Ein Teil der Woche mir gehört, die ich für mich und mein persönliches Wohlergehen nutze. Wie, ist egal, aber nutzen Sie sie! Ich zum Beispiel laufe pro Woche mindestens 40 Kilometer. Es geht mir gut! Nicht immer, aber in Summe!
Reinhard Huber
Erschienen in der Erfolgsmagazin-Ausgabe Juli 2008
ÖSB Consulting GmbH/ Kärnten
Reinhard Huber
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