Jede Gründerin und jeder Gründer möchte die Geschäftsidee, mit der man sich selbständig machen will, natürlich möglichst optimal umsetzen. Dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit meist eine große Kluft besteht, ist leider die Realität. Erfolgreiche Beispiele, wo aus dem akademischen Umfeld enorm erfolgreiche Unternehmen aufgebaut wurden, verleiten viele akademische Gründer dazu, den schwierigen Weg bis in die unternehmerische Topliga zu unterschätzen.
Erfolgreiche Unternehmen wie Yahoo, das von zwei Doktoranden der Stanford University gegründet wurde, stellen nur die Spitze des Eisbergs dar. Die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen, die von Personen aus dem universitären Umfeld gegründet wurden, konnte nicht annähernd diesen wirtschaftlichen Erfolg erzielen, obwohl das Produkt oder die Dienstleistung vergleichbares, oder sogar noch größeres Potential gehabt hätten.
Was macht also den Unterschied aus zwischen Start-ups, die nicht vom Start weg eine steile Wachstumskurve aufweisen und solchen, die in kürzester Zeit aufgrund ihrer Performance zu den Highflyern zählen? Eine durchaus berechtigte Frage sollte in diesem Zusammenhang noch angesprochen werden: Welche Art von Wachstum ist für ein Start-up gesund? Sollte ein neues Unternehmen eher organisch wachsen – aus der eigenen Kraft heraus und ohne die Hereinnahme von Investoren, die ohnehin bereits wieder den Ausstieg aus dem Start-up und den Verkauf der Anteile geplant haben? Oder ist ein Unternehmen nur dann gesund, wenn es möglichst stark und schnell wächst?
Im harten Wettbewerb wirtschaftlich bestehen.
Wie so oft, lässt sich eine derart schwierige Frage weder in die eine noch in die andere Richtung eindeutig beantworten. Besonders in innovativen, technologieorientierten Unternehmen ist Notwendigkeit für eine große Innovationskraft und einen hohen Grad der Produkterneuerung vorhanden, um im harten Wettbewerb wirtschaftlich bestehen zu können. Erfolgsentscheidende Faktoren können daneben auch time-to-market oder der ausgeübte Werbedruck sein. Kostspielige technische Entwicklungen und schneller Marktzugang können entweder über Fremdkapital (Kredit), fremdes Eigenkapital (Risikokapital) oder aus dem eigenen Cash-flow finanziert werden. Je mehr durch starkes Wachstum der Finanzbedarf aus dem eigenen cash-flow abgedeckt wird, desto größer ist der gestalterische und unternehmerische Spielraum. Desto schneller und flexibler kann auf den Markt und die Kunden reagiert werden. Das ist ein wesentlicher Grund, warum es sinnvoll erscheint, wenn man bei innovativen Start-ups ein starkes und schnelles Wachstum als gesund ansieht.
Wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens.
Der Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens wird meist bereits in der Gründungsphase gelegt. Hier entscheidet oft das Umfeld, in dem eine Gründungsidee geboren wird, wie schnell und erfolgreich sich ein Geschäftsmodell entwickeln wird. Man weiß etwa aus Untersuchungen, dass Spin-offs von Forschungsunternehmen meist schneller wachsen als Unternehmen, die aus dem universitären Bereich kommen. Als Begründung sind hier die geringere wirtschaftliche Erfahrung und oft auch die mangelnden Branchenkenntnisse von rein akademischen Gründern anzuführen.
Ein weiterer Faktor, der sich auf die Geschäftsentwicklung positiv auswirkt, ist eine ausreichende Finanzierung bereits in der Gründungsphase. Start-ups, die vorhandene Fördermittel nützen, können schneller ihre Produkte auf den Markt bringen, als solche, die mit begrenzten Mitteln die Entwicklungen vorantreiben müssen.
Außerdem ist aus verschiedenen Untersuchungen auch bekannt, dass Start-ups wesentlich vom gewählten Standort profitieren können. Siedeln sich junge Unternehmen etwa in der unmittelbaren Umgebung von bestehenden Bildungs- oder Forschungseinrichtungen an, können sie durch Synergien auch wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Bekannt ist dieser positive Effekt auch bei Unternehmen, die sich in Gründerzentren ansiedeln, wo es einen starken Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Gründern gibt.
Nachhaltigkeit der Unternehmensentwicklung.
Die Basis für ein gesundes – das heißt starkes – Wachstum eines innovativen Unternehmens liegt also bereits in der Gründungsphase. Ein weiterer Aspekt von gesundem Wachstum ist neben der Geschwindigkeit des Wachstums auch die Nachhaltigkeit der Unternehmensentwicklung. Kein Unternehmen kann über längere Zeit Erträge erwirtschaften, falls das Geschäftsmodell nicht nachhaltig im Markt verankert werden kann. Die Basis dafür wird wiederum zu Beginn des Unternehmens bei der Auswahl der Geschäftsidee gelegt, in die Praxis umgesetzt wird die Idee dann durch die Mitarbeiter. Diese – oder besser gesagt – deren Qualifikation, Kompetenz und noch viel mehr deren Einstellung und Motivation entscheiden, ob ein Start-up den Schritt zum etablierten Unternehmen schafft. Personalauswahl und –entwicklung ist deshalb für alle jungen Unternehmen ein Bereich, der über Erfolg oder Scheitern entscheidet. Vielfach wird die große Herausforderung des Personalmanagements zu Beginn unterschätzt. Qualifizierte Mitarbeiter, die noch dazu ins Team passen und die für ein Start-up notwendige Einstellung mitbringen, sind schwer zu finden und dann auch zu halten.
Wachsen bedeutet Veränderung.
Wachsen bedeutet Veränderung. Und Veränderung bedeutet oft auch ein gewisses Maß an Chaos. Dass die Abläufe und Prozesse im Unternehmen – trotz stürmischer Phasen – weiter in geordneten Bahnen und möglichst effizient ablaufen, sollten sie ebenfalls von Beginn an vorausschauend definiert und gelebt werden. Aufwendige Umstellungen der internen Abläufe im Zuge des Unternehmensaufbaus bremsen die Organisation unnötig und verunsichern auch die Mitarbeiter.
Es ist deutlich zu sehen, dass die Chancen für gesundes Wachstum speziell von innovativen Unternehmen aus dem akademischen Bereich dann gut sind, wenn bereits in der Gründungsphase vieles richtig gemacht wird. Da aber die wenigsten Wissenschaftler und Akademiker das notwendige Gründungswissen haben, empfiehlt es sich, professionelle Beratungseinrichtungen aufzusuchen, und deren in der Regel kostenlosen Service zu nutzen.
Dr. Wolfgang Tüchler
Erschienen in der Erfolgsmagazin-Ausgabe Juli 2008
accent Gründerservice GmbH
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Artikel “Gesund gründen und gesund wachsen”