„Patent pending“, „mit patentierter Technologie.“ Slogans wie diese werden oft als Garant für besonders gute Produkte und in der Folge als solide Basis für den unternehmerischen Erfolg gesehen. Die österreichische Performance im Bereich „Intellectual Property“ ist positiv: Die österreichischen Patent-, Marken- und Designanmeldungen liegen über dem europäischen Schnitt. Doch viele Patente bleiben ungenutzt. Die Patentexperten der aws versuchen mit ihren Services, hier ungehobene Schätze zu heben. Die Aktivitäten dazu sind in drei Produkten zusammengefasst: tecma, uni:invent und IPP.
tecma
tecma ist die Wahl für Unternehmer, die patentierbare Erfindungen über die aws vermarkten wollen. Die aws übernimmt gegen eine Beteiligung an den späteren Erlösen die Vorfinanzierung der Patentkosten und die Begleitung des internationalen Patentierungsprozesses. In weiterer Folge sucht die aws aktiv nach Lizenznehmern, führt Vertragsverhandlungen und überwacht Lizenzzahlungen.
uni:invent
uni:invent ist ein für Universitäten maßgeschneidertes Programm zur Unterstützung im Aufbau eines effizienten Patentwesens an den Universitäten und zur operativen Unterstüzung bei der Vermarktung von patentierbaren Erfindungen.
Im Auftrag der Universitäten prüft und bewertet die aws Erfindungsmeldungen in inhaltlicher und rechtlicher Hinsicht. Ein Bewertungsbericht wird für die Universität erstellt und eine Empfehlung – betreffend Aufgriff der Erfindung – abgegeben. Sie übernimmt die Abwicklung der Patentierung, die aktive Suche nach Lizenznehmern, Führung von Vertragsverhandlungen und Monitoring von Lizenzzahlungen. Zudem verwaltet die aws die Patentkonten der Universitäten.
Innovationsschutzprogramm IPP
Gerade im Bereich des Geistigen Eigentums ist es wichtig, über Österreich hinaus zu denken. Im Jahr 2007 stammten immerhin 1,06 Mrd. € der Investitionen in F&E aus dem Ausland. Das Innvotionsschutzprogramm IPP hilft den Wert von Patenten auch in Wachstums- und Schwellenmärkten zu bewahren. Gezielte Maßnahmen sollen Patentanmeldungen in diesen Märkten erhöhen, Produktpiraterie und Patentverletzungen vorbeugen und Rechts-durchsetzung ermöglichen.
So finanziert und koordiniert die aws Patentanmeldungen. Überwacht die Märkte auf Patentverletzungen. Sichert Beweismittel durch gezielte Investigationsmaßnahmen bei Verdachtsmomenten. Durch Kooperation mit den maßgeblichen Behörden und Dienststellen wird die Durchsetzung von Patentschutzrechten durch die aws begleitet und finanziell unterstützt.
Erfolgreich Schatz gehoben.
Die Programme der aws sind erfolgreich. So wurden 2007 von den Universitäten 24 Vermarktungsprojekte an die aws übergeben. Die aws hat sieben Verträge zur Nutzung dieser Projekte abgeschlossen. Eine derartiger „Schatz“ der TU Graz, der von der aws und der Technologietransferstelle der TU Graz gemeinsam gehoben wurde, soll als Beispiel für eine typische Erfolgsgeschichte dienen:
Die 1993 von Forschern der Privaten Universität Witten/Herdecke gegründete bitop AG hat von der TU Graz ein effizientes Herstellverfahren für einen neuen Wirkstoff namens Glycoin, ein von salztoleranten Blaualgen (Cyanobakterien) synthetisiertes Extremolyt, einlizenziert. Für die Entwicklung des biotechnologischen Verfahrens – zur Herstellung des neuen Elektrolyten – erhielt das Forschungsteam der TU Graz rund um Prof. Bernd Nidetzky kürzlich den österreichischen Universitätsforschungspreis der Industrie.
Ähnlich wie die Naturstoffe Ectoin und Hydroxyectoin, handelt es sich hierbei um ein Stress-Schutzmolekül extremophiler Mikroorganismen mit breitem Einsatzpotenzial im Bereich Kosmetik, Medizin und Ernährung, das als eine Art Stabilisator wirkt. bitop AG ist weltweit führend in der Produktion und technologischen Anwendung von Extremolyten (Schutzstoffen aus Mikroorganismen). Sie finden Anwendung im Protein-, Zell- und Hautschutz und bieten Schutz vor extremen Umweltbedingungen wie Hitze, UV-Strahlung oder Trockenheit. Im Jahr 2000 wurde die bitop AG für die Entwicklung des Produkts Ectoin aus der Gruppe der Extremolyte und das zugrunde liegende biotechnische Herstellungsverfahren mit dem Innovationspreis Ruhrgebiet ausgezeichnet. Ectoin ist heute fester Bestandteil verschiedenster Hautpflegeprodukte im Bereich Sonnenschutz und Anti-Aging. Einen weiteren Innovationspreis erhielt die bitop AG 2005 für die Entwicklung eines völlig neuartigen Produktes zur Prävention von feinstaubbedingten Atemwegserkrankungen ebenfalls auf Basis von Extremolyten.
Patentverwertung mit der aws ist ein beeindruckendes Beispiel, wie – durch das Zusammenwirken kompetenter Partner – Werte entstehen.
Dr. Georg Buchtela (Leiter Patent- und Lizenzmanagmenent, aws – austria wirtschaftsservice)
Erschienen in der Erfolgsmagazin-Ausgabe 15. April 2008

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Artikel “Patentexperten heben Schätze … – Ungenutzte Patente werden zu Erfolgen.”