Eine Idee zu haben, ist die eine Sache. Diese Vision aber richtig, kompetent und Erfolg versprechend umzusetzen, eine Andre. Jedes Vorhaben bedarf einer guten und soliden Basis. Im Bereich der Unternehmensgründung ist das richtige Fundament ein durchdachter und gut ausgearbeiteter Businessplan.

Dr. Gerold Weisz ist Leiter des Transferzentrums für Entrepreneurship und Unternehmensgründung an der FH Oberösterreich, Lektor an der Johannes Kepler Universität Linz, Lektor an der Universität für Gestaltung Linz, sowie selbstständiger Unternehmensberater und Gründungscoach. Weiters veröffentlichte er in seiner Zeit als Universitätsassistent an der Johannes Kepler Universität viele Fachpublikationen. Unter anderem „Low-Budget-Marketing für Jungunternehmer“, „Venture Capital and Private Equity in Central Eastern European Countries“, „Ansätze zum Gründungscontrolling“ uvm. Aktuell publizierte Gerold Weiß, in Zusammenarbeit mit Dr. Norbert Kailer, das Buch „Gründungsmanagement kompakt“ (Linde Verlag).

Erfolgsmagazin im Interview mit Dr. Gerold Weisz.

Erfolgsmagazin: Ihr aktuelles Buch heißt „Gründungsmanagement kompakt“. Was versteht man unter Gründungsmanagement? Welche Bereiche beinhaltet dieser Begriff?

Weisz: Ein Buch zum Thema Gründung zu schreiben, ist nicht ganz einfach, da Unternehmertum und Gründung nicht erlernbar ist, wie etwa die Mathematik oder das betriebliche Rechnungswesen. Vielmehr geht es darum, die Rahmenbedingungen aufzuzeigen, mit denen Unternehmer im Gründungsstadium konfrontiert sind. Diese Querschnittmaterie der Unternehmensgründung, hier reicht die Palette von der Finanzierung über Business Plan Erstellung bis zu gesellschaftsrechtlichen Fragen, sehe ich als „Gründungsmanagement“ an.

Erfolgsmagazin: Wen sprechen Sie mit diesem Buch an? Welche Erwartungshaltung erfüllt das Buch?

Weisz: Grundsätzlich wird jeder angesprochen, der beabsichtigt ein Unternehmen zu gründen. Wesentliche Fragen zur Sozialversicherung, Steuern, Gesellschaftsrecht, aber auch zur Unternehmerperson selbst, werden hier beantwortet. Vor allem jedoch Studenten, die sich gleich nach dem Studium in die Selbstständigkeit wagen, sollen hier ein Werkzeug mitbekommen, das ihnen die Gründung etwas erleichtert. In Summe soll das Buch eine gute Ergänzung zu bereits sehr zahlreichen am Markt vorhandenen Büchern, Skripten oder Leitfäden sein.

Erfolgsmagazin: Welche Kompetenzen muss, Ihrer Meinung nach, ein Gründer mitbringen?

Weisz: Alle (lacht). Nein im Ernst: Den allwissenden Gründer gibt’s de facto nicht. In der Theorie sind unzählige Merkmale definiert, die erfolgreiche Gründer haben sollten. Wie etwa Durchsetzungsvermögen, Leistungsbereitschaft und vieles mehr. Stimmt alles. Das wichtigste jedoch ist, stur seine Idee zu verfolgen, und nicht aufzugeben. Und natürlich ein Mindestmaß an kaufmännischen Grundkenntnissen.

Erfolgsmagazin: Gibt es eindeutige Gründerpersönlichkeiten?

Weisz: Ja sehr viele. Und hier trenne ich zwischen Gründerpersönlichkeiten und Unternehmerpersönlichkeiten. Unternehmerpersönlichkeiten trifft man jeden Tag. Entweder im eigenen Bekanntenkreis, oder man sieht sie in den Medien. Hier sollte jeder selbst für sich entscheiden, wer für ihn ein Vorbild ist. Bei den Gründerpersönlichkeiten ist jeder, den ich als Coach betreue, ein Vorbild für mich. Leute, die an ihre Ideen glauben, das gesamte Vermögen, und damit auch das familiäre Umfeld aufs Spiel setzen. Das nötigt mir ungeheuren Respekt ab. Ich mach mein Möglichstes, um diese Menschen – so gut wie möglich – zu unterstützen, und sie zum Unternehmenserfolg zu begleiten.

Erfolgsmagazin: Welche Voraussetzungen muss eine Idee beinhalten, dass Sie von einem entwicklungsfähigen und Erfolg versprechenden Grundgerüst sprechen?

Weisz: Der Markt muss die Idee WOLLEN. Vom BRAUCHEN will ich gar nicht sprechen. Der Grundsatz sollte bei der Ideenentwicklung sein: Vom Brauchen zum Wollen. Nur, wenn der Markt, sprich die potenziellen Kunden, die Idee gut finden – und noch dazu dafür bezahlen würden, dann spreche ich von einem entwicklungsfähigem Grundgerüst. Voraussetzung dazu ist jedoch eine intensive Marktbeobachtung und Marktforschung.

Erfolgsmagazin: Welche Schritte und Überlegungen müssen bei der Entwicklung einer Gründungsidee unbedingt bedacht werden?

Weisz: Sehr viele Leute kommen zu mir und möchten sich selbstständig machen. Nur die Idee ist oft das Hindernis. Oft kommt dann die Frage, wie man zu einer Idee kommt. Am besten ist es, einfach den Markt ständig zu beobachten. Im Privatleben, beruflichen Leben, im Sport, in der Freizeit. Überall können gute Ideen entstehen. Die Frage, die man sich stellen sollte: In welchen dieser Bereiche gibt es „subjektive Störfaktoren“? Wo kann ich was verbessern? Wo ist eine Lücke, die ich mit meiner Idee schließen kann? Wichtig ist, sich nicht zu sehr in die Ideenfindung zu verbeißen. Einfach, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen!

Erfolgsmagazin: Welche Überlegungen werden von Personen im Gründungsprozess gerne übersehen?

Weisz: Vor allem bei technisch orientieren Personen besteht oft die Gefahr, von der eigenen Idee zu sehr überzeugt zu sein. Es wird erst entwickelt, und dann erst der Markt betrachtet. Richtig wäre, es genau umgekehrt anzugehen. Ein weiterer Fehler ist, sofern die Idee bereits besteht, einfach drauf loszuentwickeln, ohne den Markt zu befragen. Der Markt ist schlicht und einfach im Kopf der Konsumenten. Egal, ob im Investitionsgüterbereich oder Konsumgüterbereich.

Erfolgsmagazin: Welche Punkte eines Businessplans bergen die größten Risiken in sich, wenn man sie nicht ausführlich bearbeitet?

Weisz: Eigentlich ist jeder Punkt im Business Plan wichtig. Vorerst sollte, beim Schreiben des Business Plans, größtes Augenmerk auf Marketing und Finanzplanung gelegt werden. Wobei das Marketing immer leicht unterschätzt wird. Es ist ein sehr wesentliches Instrument der Unternehmensplanung. Eine gute Finanzplanung ist ausschlaggebend für eine Finanzierung durch Investoren oder Banken. Aber DAS wichtigste Instrument des Business Planes ist die so genannte „Executive Summary“. Die Zusammenfassung, die klarerweise ganz zu Beginn des Business Plans stehen sollte. Investoren lesen vorerst die Zusammenfassung, die nicht länger als zwei Seiten umfassen sollte, und entscheiden dann, ob weiteres Interesse am Business Plan besteht, oder nicht. Sie ist quasi die Visitenkarte des Business Plans.

Erfolgsmagazin: Welche Bedeutung messen Sie den Bereichen „Leitbild“, „Firmenphilosophie“ und „CI-Entwicklung“ innerhalb eines Businessplanes bei?

Weisz: Schwierige Frage. Natürlich sind Leitbild, Philosophie und CI-Entwicklung ein wichtiges Thema. Jedoch für mich eher erst in einer späteren Phase des Unternehmens, weil niemand zu Beginn weiß, wie sich das Unternehmen entwickeln wird. Konkrete Vorstellungen zu haben, ist jedoch nie falsch, um von Beginn an das gesamte Unternehmen auf ein bestimmtes Leitbild usw. ausrichten zu können.

Erfolgsmagazin: Wie lange dauert, Ihrer Erfahrung nach, eine Businessplanentwicklung?

Weisz: Je nach Branche und Produkt unterschiedlich. Man soll jedoch nicht dem Irrglauben verfallen, ein Business Plan wäre an einem Nachmittag geschrieben. Einige Wochen bis Monate darf man dafür schon einplanen. Gerade die Gründungsphase ist eine sehr dynamische Phase in der Unternehmensentwicklung, in der es ständig zu Änderungen kommt. Diese müssen im Business Plan natürlich berücksichtigt werden. Und somit ist ein Business Plan eigentlich nie richtig „fertig“.

Erfolgsmagazin: Soll ein Businessplan mit professioneller Unterstützung, Beratung und Begleitung erfolgen, oder ist er ebenso gut – im stillen Kämmerlein – alleine zu bewältigen? Wie ist hier Ihre persönliche Meinung?

Weisz: Es wird nicht ausbleiben, sich Zeit im stillen Kämmerlein für den Business Plan zu nehmen. Professionelle Unterstützung ist aber unumgänglich, da man mit der Zeit sehr leicht den Blick für das Wesentliche verliert, bzw. den eigenen Business Plan nicht mehr objektiv, sozusagen von der Metaebene betrachtet. Hier ist ein außenstehender Dritter unumgänglich.

Erfolgsmagazin: Gibt es spezielle Finanzierungsmodelle, die ein Gründer im Zuge einer Businessplans andenken sollte?

Weisz: Grundsätzlich sind, abhängig von Idee und Branche, alle Arten von Finanzierungsformen anzudenken. Hier reicht die Palette von klassischen Bankfinanzierungen, bis zu Venture Capital und Private Equity. Wichtig ist jedoch, ein gewisses Eigenkapitalpolster bereits mitzubringen. Dann wird’s ein wenig leichter, Finanzierungen zu lukrieren. Aber gerade in der Gründungsphase gibt es in Österreich sehr effektive Fördermodelle, die die Liquiditätsschwierigkeiten zu Beginn überbrücken helfen. Diese Förderungen bewegen sich auf Bundesebende, wie etwa das Austria Wirtschafts Service. Oder auch auf Landesebene, wie etwa die Jungunternehmerförderaktion des Landes Oberösterreich.

Erfolgsmagazin: Welche Fördertipps bzw. -stellen können Sie insbesondere Gründern nahe legen?

Weisz: Wie gesagt auf Bundesebene bietet die AWS, die Austria Wirtschaftsservice, sehr gute Fördermodelle an. Auf Landesebene existieren unterschiedliche Fördermodelle in den einzelnen Bundesländern. Hier ist der Gründer gefragt, sich selbst zu Beginn durch den Förderdschungel durchzuwühlen. Entsprechende Hilfe bieten dabei Wirtschaftskammern, das Programm AplusB, oder etwa die Hausbanken. Und natürlich auch spezielle Unterstützungseinrichtungen, wie etwa das Transferzentrum für Unternehmensgründung an der FH Oberösterreich.

Erfolgsmagazin: Ab welchem Zeitpunkt sollte sich ein Gründer Gedanken bzgl. Marken- und Patentrechts machen?

Weisz: Von der Geburt der Idee an. Nur warne ich immer vor zu schnellem Patentieren. Denn, wer eine Idee patentrechtlich schützt, muss sich im Klaren sein, dass die Idee „öffentlich“ und dadurch leicht nachahmbar werden kann. Außerdem: Ein Patent ist ohnehin nur so gut, wie das dahinter liegende Business Model. Von einem Patent alleine kann man sich nichts kaufen.

Erfolgsmagazin: Wo sehen Sie ein enormes Potential für Gründer in Österreich?

Weisz: Enormes Potenzial liegt vor allem in der Energiewirtschaft, wie etwa Photovoltaik oder ähnlichem. Aber auch die Informations- und Kommunikationstechnologie, sowie Biotechnologie sind momentan Zukunftsmärkte. Man darf aber auch nicht die klassischen Gewerbe und Handwerke vergessen, bei denen auch enormes Innovationspotenzial gesehen werden kann.

Erfolgsmagazin: In welchen Märkten, außerhalb der Grenzen Österreich, und in welchen Branchen sehen Sie eine sehr gute Entwicklungschance für österreichische Gründer?

Weisz: Auch hier im Bereich Energiewirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologien.

Erfolgsmagazin: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der letzen drei Jahre im Bereich der Unternehmensgründungen?

Weisz: Sehr positiv. Es wird seitens Bund und Ländern sehr viel getan, um Unternehmensgründungen zu unterstützen. Nicht zu vergessen sind auch Unterstützungsprogramme von Wirtschaftskammern, aber auch den freien Berufen, wie Steuerberatern, Rechtsanwälten und Unternehmensberatern.

Erfolgsmagazin: Wird es im Jahr 2008 grundlegende Änderungen, Neuerungen oder Anpassungen für Gründer geben?

Weisz: Gesetzliche Änderungen gibt es nahezu stündlich. Hier kann man nie wissen, welche Änderungen ins Haus stehen. Hier sollte man die aktuelle, tagespolitische Diskussion verfolgen, um immer am Laufenden zu bleiben. Eine wesentliche Neuerung für Unternehmer wird die schon lang diskutierte freiwillige Arbeitslosenversicherung sein.

Erfolgsmagazin: Welche „Goldene Regeln“ legen Sie jeden Businessplanschreiber und Gründer für das Jahr 2008 ans Herz?

Weisz: Immer den Markt im Auge behalten. Bei Rückschlägen nicht aufgeben. Und: Ein großes Netzwerk aufbauen, auf das man immer zurückgreifen kann.

Erfolgsmagazin-Redaktion im Interview mit Dr. Gerold Weisz, MBA
(FH OÖ/ Leiter des Transferzentrum für Unternehmensgründung)

Erschienen in der Erfolgsmagazin-Ausgabe 15. Dezember 2007

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Dieser Artikel wurde verfasst am Samstag, Dezember 15th, 2007 um 11:54.
Kategorie: Interviews, Leute & Meinungen.

 

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